Haftentlassung Papst-Attentäter will mit Lebensgeschichte Millionen kassieren

Am 13. Mai 1981 schoss er Papst Johannes Paul II. an und verletzte ihn schwer. Nächste Woche soll der Attentäter Mehmet Ali Agca aus dem Gefängnis entlassen werden - und er schmiedet offenbar bereits lukrative Zukunftspläne. Es geht um den Verkauf millionenschwerer Film- und Buchrechte.
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Mehmet Ali Agca: Papst-Attentäter mit Mitteilungsbedürfnis

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London/Rom - Die Empörung ist groß: Der Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca will mit seiner Lebensgeschichte kräftig Kasse machen. Der Mann, der 1981 auf dem Petersplatz auf Papst Johannes Paul II. schoss, plant der Londoner "Times" zufolge, nach seiner Entlassung aus der Haft millionenschwere Film- und Buchverträge zu unterschreiben.

In einem handgeschriebenen Brief, den Agca an die "Times" geschickt hat, betont er, von Japan bis Kanada bestehe großes Interesse an Film- und Dokumentationsprojekten. Ein exklusives Fernsehinterview soll dem türkischen Papst-Attentäter dem Bericht zufolge zwei Millionen Dollar bringen, zwei Bücher, darunter eine Autobiografie, könnten ihn um satte fünf Millionen Dollar reicher machen. Außerdem habe Agca Bestseller-Autor Dan Brown geschrieben und diesem als Nachfolger für sein Erfolgsbuch "The Da Vinci Code" nun "The Vatican Code" vorgeschlagen.

Mehrere europäische Verleger zeigten der Zeitung zufolge bereits Interesse und gehen davon aus, dass allein die weltweiten Rechte an den Memoiren drei Millionen Dollar wert sein könnten. "Agcas Memoiren sind von globalem Interesse, aber nur, wenn sie das bringen, was Verleger und Leser erwarten: Er muss die ganze Wahrheit erzählen, mit vielen neuen Enthüllungen", sagte der italienische Verleger Francesco Alberti.

Agca hatte den Papst am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Das Motiv für die Tat ist bis heute ungeklärt. Auch ist immer noch nicht klar, ob Agca auf eigene Rechnung gehandelt hat. Unmittelbar nach dem Attentat hatte er drei Bulgaren der Mittäterschaft bezichtigt, diese aber später entlastet und gesagt, er sei Jesus Christus und habe allein gehandelt.

Der inzwischen 52-Jährige kommt nach Angaben seines Anwalts am 18. Januar nach fast drei Jahrzehnten Haft auf freien Fuß. Wegen des Attentates auf den Papst saß Agca 19 Jahre lang in Italien im Gefängnis, seit 2000 verbüßt der früher im ultrarechten Milieu aktive Agca in der Türkei eine Strafe für den Mord an dem liberalen türkischen Journalisten Abdi Ipekci im Jahr 1979 sowie für zwei Banküberfälle in den siebziger Jahren. Der in einem Hochsicherheitsgefängnis nahe Ankara einsitzende Agca befinde sich "in guter Gesundheit und Stimmung". Er sei körperlich und geistig gesund und stabil.

"Das ist moralisch verwerflich"

Kritiker verabscheuen die Idee, dass Agca aus seinem Verbrechen Gewinn schlagen könnte. "Das ist moralisch verwerflich", sagte Paolo Guzzanti, der vor vielen Jahren eine Untersuchungskommission zu dem Attentat geleitet hatte. Diese hielt es für möglich, dass der Schütze im Auftrag des russischen Geheimdienstes gehandelt hatte. "Agca ist nicht mehr als ein Verbrecher, ein trainierter und bezahlter Killer, der für ein terroristisches Geheimdienstnetz gearbeitet hat." Er sei nicht verrückt, wie viele glaubten, sondern gut geschult.

Richter Ferdinando Imposimato, einer der römischen Staatsanwälte, die das Attentat untersucht hatten, sagte laut "Times", Agca wisse alles über die Geheimdienste hinter der Tat. "Es ist beängstigend und lächerlich, dass Menschen ihm Geld bieten. Das ist widerwärtig gegenüber Papst Johannes Paul II. und könnte die letzte Chance zunichtemachen, doch noch herauszufinden, was damals passiert ist." Agca könne in Versuchung kommen zu lügen, um noch mehr Geld zu bekommen.

Die Pläne des Attentäters klingen krude. "Ich habe vor, das Ende der Welt auszurufen und das reine Evangelium zu schreiben. Ich werde das perfekte Christentum ausrufen, das der Vatikan nie verstanden hat", schrieb der Attentäter laut "Times". Ob er über das Papst-Attentat sprechen werde, ließ er offen.

Agca hat laut "Times" den Wunsch geäußert nach Rom zu reisen, Papst Benedikt XVI. zu treffen, vom Islam zum Christentum zu konvertieren und am Grab von Johannes Paul II. zu beten. Dieser hatte seinem Attentäter 1983 bei einem Besuch im Gefängnis verziehen und ist 2005 gestorben.

siu/AFP
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