Haftstrafe Lehrer bringt 99-Jährige um Vermögen

Ein 53-Jähriger ist wegen Untreue vom Amtsgericht Tiergarten zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der suspendierte Studienrat 524.000 Euro vom Konto einer Rentnerin veruntreut hatte.


Berlin - Eigentlich hatte der Mann die finanziellen Angelegenheiten der Frau regeln sollen. Das Gericht gelangte zu der Überzeugung, dass er eine Vollmacht der heute 99-Jährigen missbrauchte, die ihn berechtigte, mit dem Geld vom Konto der Frau deren Rechnungen zu begleichen. Der Angeklagte hatte im Prozess behauptet, dass seine geschiedene Frau, in deren Augenarztpraxis die alte Dame Patientin war, das Geld von der Rentnerin geschenkt bekommen habe.

Der Angeklagte habe "jemanden, der hilfesuchend war, noch zusätzlich enttäuscht", sagte der Richter. Er stellte klar, dass weder eine Geldschenkung vorlag, noch die Formulierung in der Vollmacht den Schluss zulasse, Gelder der Rentnerin "einfach auf sich zu übertragen".

Sowohl dem Angeklagten als auch seiner Ex-Frau sei das bewusst gewesen, hieß es. Auch gegen die 56-Jährige wird nun wegen Untreue ermittelt. Die Augenärztin war nach Ansicht des Richters die "treibende Kraft beim Geldausgeben". Mit dem Geld wurden nicht nur Hypotheken für das Haus beglichen und Urlaubsreisen bezahlt, sondern es wurde auch eine neue Arztpraxis ausgestattet.

Nach Angaben der Rentnerin sollte "Frau Doktor" ihr Geld erst nach ihrem "Ableben" bekommen. Aus Sicht des Staatsanwalts konnte das Ehepaar das Erbe nicht abwarten und letztlich habe "die Habgier gesiegt". Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert.

jdl/ddp



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