Kollegen während Schießerei allein gelassen Polizistinnen kämpfen in Berufungsverfahren um ihren Job

Sie sollen während eines Schusswechsels Kollegen im Stich gelassen haben: In zweiter Instanz geht es jetzt für zwei Polizistinnen vor Gericht um ihre berufliche Zukunft.
Angeklagte Polizistinnen im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Hagen

Angeklagte Polizistinnen im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Hagen

Foto: Alex Talash / dpa

Vor dem Landgericht im nordrhein-westfälischen Hagen hat der Berufungsprozess gegen zwei Polizistinnen begonnen. Die Frauen waren vom Amtsgericht Schwelm zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Ihnen wird gemeinschaftliche versuchte gefährliche Körperverletzung im Amt durch Unterlassen vorgeworfen.

Die inzwischen 33 und 38 Jahre alten Polizistinnen sollen im Mai 2020 nahe Gevelsberg zufällig am Tatort vorbeigekommen sein: Zwei Kollegen hatten bei einer Verkehrskontrolle einen Autofahrer überprüft und wurden unvermutet von diesem beschossen. Die Beamten erwiderten das Feuer.

Doch anstatt den Männern zu Hilfe zu eilen und Verstärkung anzufordern, sollen die Polizistinnen ihr Einsatzfahrzeug in der Nähe geparkt und sich vom Tatort entfernt haben – obwohl sie den Schusswechsel bemerkt hatten. Zudem war ein Kollege bereits zu Boden gegangen, sodass davon auszugehen war, dass er schwere Verletzungen davongetragen hatte.

Ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung

Der Autofahrer wurde bereits zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die beiden Beamtinnen wurden vom Amtsgericht Schwelm im November zu jeweils einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Bei einer rechtskräftigen Verurteilung hätten sie damit ihren Beamtenstatus verloren und dürften nicht mehr als Polizistinnen arbeiten. Sie legten aber Berufung gegen das Urteil ein. In Hagen wurde der ganze Fall deswegen noch einmal aufgerollt.

Am Montag hätten die beiden Angeklagten ihre Sicht des Hergangs geschildert, sagte ein Gerichtssprecher. Auch die Videos, die von der Dashcam des Polizeiwagens aufgezeichnet worden waren, seien angeschaut worden. Zudem habe das Gericht die Funksprüche aus jener Nacht abgehört. Schließlich hätten Zeugen ausgesagt, unter anderem der zweite, nicht verletzte Polizist.

Der damals verletzte Beamte soll am Mittwoch in einer Woche aussagen. Dank seiner schusssicheren Weste habe er nur ein schweres Hämatom davongetragen und den Schusswechsel ansonsten körperlich unbeschadet überstanden, sagte der Sprecher. Am Mittwoch soll dann auch voraussichtlich bereits eine Entscheidung fallen.

ala/AFP/dpa
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