Nordrhein-Westfalen Richterin wegen Rechtsbeugung zu Freiheitsstrafe verurteilt

Das Gericht attestierte ihr »hohe kriminelle Energie«: Eine Richterin ist in NRW verurteilt worden – weil sie Akten im Keller lagerte, statt sie zu bearbeiten. Für ihre Versäumnisse machte sie andere verantwortlich.
Landgericht Hagen: Eine Richterin als Angeklagte (Archivbild)

Landgericht Hagen: Eine Richterin als Angeklagte (Archivbild)

Foto: Bernd Thissen / dpa

Das Landgericht Hagen hat eine Richterin wegen Rechtsbeugung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. In dem Prozess hatte die 37 Jahre alte Juristin eingeräumt, mehrere Akten einfach nicht bearbeitet zu haben.

Sie habe eine Blockade im Kopf gehabt und sich um die Fälle einfach nicht mehr kümmern können, sagte sie in dem Teilgeständnis. Die Akten waren später in einem Umzugskarton im Keller der Angeklagten gefunden worden.

Laut Anklage hatte sie auch Verhandlungsprotokolle gefälscht, Urteile rückdatiert und Akten zu Hause im Keller versteckt. Die Richterin soll außerdem versucht haben, die von ihr begangenen Fristversäumnisse anderen Mitarbeitenden des Amtsgerichts Lüdenscheid in die Schuhe zu schieben.

Die Frau soll volle Realitätskontrolle gehabt haben

Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte die Richterin als voll schuldfähig eingestuft. Die Frau sei in den allermeisten Fällen in der Lage gewesen, ihre Arbeit gewissenhaft und ordentlich zu erledigen. Deshalb müsse man davon ausgehen, dass sie jederzeit die volle Realitätskontrolle gehabt habe.

Das Gericht sprach in der Urteilsbegründung von einer »hohen kriminellen Energie« bei der Angeklagten und lastete ihr vor allem negativ an, dass sie »keinerlei Skrupel hatte, ihr eigenes Fehlverhalten auf andere abzuwälzen«. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

bbr/dpa
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