Hagen Sechsfacher Mörder schwänzt Haftantritt

Er ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden, doch hinter Gittern sitzt er nicht: Ein sechsfacher Mörder hat seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Hagen nicht angetreten - nun wird der 49-Jährige per Haftbefehl gesucht.

Düsseldorf - Ein sechsfacher Mörder hat am Dienstag seinen Haftantritt im nordrhein-westfälischen Hagen geschwänzt und sich damit seiner Strafe vorerst entzogen. Der 49-Jährige sei entgegen der Aufforderung nicht am Gefängnis erschienen, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Nach dem Mann werde von Mittwoch an mit Haftbefehl gesucht.

Der Hausbesitzer hatte 1997 sein Mietshaus in Düsseldorf mitsamt der Mieter von einem Komplizen nachts in die Luft sprengen lassen. Sechs Menschen starben. Auf dem Gelände wollte der frühere Düsseldorfer Bauunternehmer Luxuswohnungen errichten lassen.

Dass der Mörder frei herumläuft, geht auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zurück. Der Verurteilte hatte von 1997 bis 2005 rund acht Jahre in Untersuchungshaft gesessen. Daraufhin war der Haftbefehl gegen ihn vom Bundesverfassungsgericht wegen der unverhältnismäßig langen Verfahrensdauer aufgehoben worden.

Im vergangenen Februar hatte der Bundesgerichtshof die Verurteilung wegen Mordes schließlich elf Jahre nach der Tat bestätigt und damit rechtskräftig werden lassen. Weil das Landgericht Duisburg auch nach der Verurteilung keine Fluchtgefahr gesehen hatte, durfte er bis zur Ladung zum Haftantritt auf freiem Fuß bleiben.

Nachdem das schriftliche Urteil eingegangen war, hatte die Staatsanwaltschaft den Mörder per Post zum Antritt der Reststrafe geladen.

han/dpa/ddp
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