Haiti Mehrere Menschen als Hexer gelyncht

Hingerichtet mit Steinen und Macheten: Mindestens ein Dutzend Menschen sind binnen einer Woche in Haiti getötet worden. Man warf den Opfern vor, die Cholera-Epidemie herbeigezaubert zu haben.


Port-au-Prince - In Haiti sind seit vergangener Woche mindestens zwölf Menschen unter dem Vorwurf gelyncht worden, für die Ausbreitung der Cholera-Epidemie verantwortlich zu sein. Wütende Menschenmengen hätten im Departement Grand'Anse ein Dutzend Menschen mit Macheten und Steinen getötet und ihre Leichen auf der Straße verbrannt, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Haitianische Medien sprachen von mindestens 14 Opfern: Demnach wurden mindestens drei Menschen in der Stadt Jérémie, sechs in der Ortschaft Chambellan und fünf weitere in Marfranc und Dame-Marie gelyncht.

Einem Justizbeamten zufolge, der eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet hat, warfen die Täter den Opfern Hexerei und die Verwendung einer Substanz vor, über die sich die Cholera ausgebreitet habe. "Nachforschungen sind schwierig, da die Bevölkerung jede Zusammenarbeit mit der Justiz verweigert, da sie wirklich überzeugt ist, dass Hexer sich die Cholera-Epidemie zunutze machen, um zu töten", sagte der Beamte.

Den Opfern wurde demnach vorgeworfen, die Cholerain die Region im Südwesten Haitis eingeschleppt zu haben, die zuvor kaum von der Epidemie betroffen war. In dem Departement starben den Gesundheitsbehörden zufolge bisher erst fünf Menschen an der Krankheit, 60 wurden infiziert. Seit dem Ausbruch der Cholera Mitte Oktober sind im ganzen Land mehr als 1800 Menschen durch die Epidemie ums Leben gekommen.

can/AFP



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mmk749 03.12.2010
1. Sehr hübsch!
Zitat von sysopHingerichtet mit Steinen und Macheten: Mindestens ein Dutzend Menschen sind binnen einer Woche in Haiti getötet worden - sie wurden Opfer eines Aberglaubens. Der Vorwurf: Sie sollen*mit Magie die Cholera-Epidemie heraufbeschworen haben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,732595,00.html
Soviel zu den kulturellen Unterschieden!
Gordons 03.12.2010
2. kein Titel
Ich bin entsetzt... Ich dachte das liegt hinter uns. Wann sind wir Menschen endlich in der Lage uns einigermaßen Zivilisiert zu benehmen? Wann nötigen wir unsere eigenen Regierungen (Organisationen) endlich die Ländern mit Sanktionen zu belegen, die nicht in der Lage sind (oder wollen) Bildung für alle zu ermöglichen. Es währe an der Zeit.
Meckerliese 03.12.2010
3. unfassbar
Und für solche fanatischen Menschen haben wir Millionen gespendet. NUn bringen sie sich gegenseitig um. Keinen Cent mehr für dieses Volk.
black wolf, 03.12.2010
4. .
Zitat von sysopHingerichtet mit Steinen und Macheten: Mindestens ein Dutzend Menschen sind binnen einer Woche in Haiti getötet worden - sie wurden Opfer eines Aberglaubens. Der Vorwurf: Sie sollen*mit Magie die Cholera-Epidemie heraufbeschworen haben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,732595,00.html
Das war nur eine Frage der Zeit. "In response to the killings, the government in Port-au-Prince issued a statement Thursday imploring: "Cholera is a microbe ... The only way to protect one's self against cholera is to observe the principles of hygiene." "There is no cholera powder, nor cholera zombie, nor cholera spirit" and Vodou priests "can neither treat cholera, nor make a powder that gives cholera," it said." (von JONATHAN M. KATZ, Associated Press) Vielleicht bin ich zynisch, aber ich finde es herausragend und mutig, dass von Regierungsseite in so klaren Worten der Aberglaube verdammt wird. Offenbar muss es erst Tote geben, bevor man aufhört, die heilende Kraft des Glaubens und die unbedingte Respektwürdigkeit unhinterfragbarer, unüberpfüfbarer Lehren zu propagieren. "Was suchen wir so mühsam nach Zauberern? Hört auf mich, ihr Richter, ich will euch gleich zeigen, wo sie stecken! Auf, greift Kapuziner, Jesuiten, alle möglichen Ordensleute und foltert sie, sie werden gestehen. Wollt ihr dann noch mehr, dann will ich euch selbst foltern lassen und ihr dann mich. So sind wir schließlich alle Zauberer." - Friedrich Spee, Jesuit, 17. Jahrhundert In Afrika und auch in Haiti sind es vorwiegend US-amerikanische Evangelikale und Pfingstkirchen, die immer wieder mit Nachdruck Hexenjagden anfeuern und daran profitieren, nämlich über massiven Zulauf und den Verkauf von "Lehrmaterial". Man beachte, dass Papst Benedikt auf seiner Afrikareise die Hexenjagden zwar angesprochen hat, und dazu aufrief, das Auffinden und Beobachten von Hexerei der Kirche zu überlassen, die Existenz und Schadwirkung von Zauberei dabei aber nicht bestritt.
drphibes 03.12.2010
5. auch unfassbar ist...
Zitat von MeckerlieseUnd für solche fanatischen Menschen haben wir Millionen gespendet. NUn bringen sie sich gegenseitig um. Keinen Cent mehr für dieses Volk.
a) ein ganzes Volk in Sippenhaft zu nehmen, für Folgeprobleme aus Naturkatastrophen, extremer Armut und folglich enormen Bildungsmagel und fragwürdigem politischen System b) die eigene Spendenbereitschaft für eine notleidende Gemeinschaft an das Wohlverhalten einzelner Personen zu knüpfen... welches in diesem Fall wiederum vom Aberglauben beeinflusst ist, der wiederum auch eine Folge von Armut und Bildungsmangel sein kann Wie geht das weiter? Keine Cents mehr z. B. nach Somalia etc. weil dort Schiffe entführt werden (Armutsproblematik!)Keine Cents mehr nach Pakistan, weil dort Terroristen beherbergt werden? Überhaupt, eine Spende von Cents dürfte auf dem Weg in eine Krisenregion sicher irgendwo auf dem langen Weg absorbiert werden. Generell muss das Entwicklungshilfe- und Subventionskonzept überdacht werden. Aber so eine Aussage macht mich fassungslos. Die Bevölkerung in Krisengionen leidet stets am meisten. Hier so eine gönnerhafte Haltung zu demonstrieren hate ich für äußerst unangemessen. Keiner muss spenden, alles freiwillig. Es gibt noch ein paar notleidende Banker in Deutschland, vielleicht benötigen die noch ein paar Cents.
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