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09. August 2019, 16:30 Uhr

Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber

Wachpersonal soll Flüchtlinge angegriffen haben

In Halberstadt haben offenbar Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma zwei Flüchtlinge misshandelt. Gegen die Männer wird wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt.

Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes sollen in einer Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt in Sachsen-Anhalt zwei Flüchtlinge angegriffen haben. Das teilte das Innenministerium mit.

Auf einem bei YouTube hochgeladenen Video sollen die Übergriffe zu sehen sein. Es zeigt, wie zwei Wachleute in Halberstadt auf die beiden Flüchtlinge losgehen und sie zu Boden stoßen. Einer der Sicherheitsmitarbeiter tritt den einen am Boden liegenden Mann. Zwei weitere Wachleute stehen bei dem Vorfall dabei und greifen nicht ein. Auch in einem zweiten Video ist zu sehen, wie Wachleute einen Flüchtling angehen.

Die Videosequenzen sind mit dem Datum des 14. April versehen. Das Ministerium hat von dem Vorgang nach eigenen Angaben am Vormittag erfahren. Wer das Video gedreht und veröffentlicht hat, ist laut lokalen Medienberichten noch unklar.

Laut Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) wurde damit begonnen, eine Ermittlungsgruppe einzurichten, um den Vorgang lückenlos aufzuklären. "Es gibt Dinge, die gehen überhaupt nicht. Punkt", sagte Stahlknecht. "Uns geht es vor allem um Transparenz."

Die Inhalte der Videos seien von "erheblicher strafrechtlicher Relevanz", sagte Stahlknecht dem MDR zufolge. Die Polizei ermittele unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Die vier Wachleute sind demnach vom Dienst suspendiert. Außerdem würden Konsequenzen für das Sicherheitsunternehmen geprüft.

Dem Sender und der "Volksstimme" zufolge bestätigte der Innenminister, dass es weitere ähnliche Verdachtsfälle gebe. Eine Mitarbeiterin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge habe ebenfalls Misshandlungen von Flüchtlingen in Halberstadt gemeldet.

bbr/dpa

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