Anschlag in Halle Waren zu wenige Streifenwagen im Einsatz?

Länger als eine Stunde war der Täter von Halle auf der Flucht: Recherchen von SPIEGEL TV legen nahe, dass die Polizei am Tag des Anschlags nicht optimal aufgestellt war.
Einsatzfahrzeuge in Halle am 9. Oktober: Gab es am Tag des Anschlags zu wenig Streifenwagen?

Einsatzfahrzeuge in Halle am 9. Oktober: Gab es am Tag des Anschlags zu wenig Streifenwagen?

Foto: Swen Pförtner/ DPA

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) gibt sich gern zupackend und durchsetzungsstark, als einer, der die ihm unterstellten Polizisten nicht allein lässt, wenn es stürmisch wird. So präsentierte er sich auch auf der Pressekonferenz nach dem Anschlag von Halle . Demonstrativ stellte er sich vor die Polizei und lobte den Einsatz der Beamten.

Doch Recherchen von SPIEGEL TV legen nahe, dass bei dem Einsatz in Halle längst nicht alles so optimal lief, wie es der Innenminister gern erzählt. Ein polizeiinternes Papier legt nahe: Offenbar waren am Tag des Anschlags zum Beispiel zu wenig Streifenwagen in Halle im Einsatz.

Wo und wann waren die Streifenwagen im Einsatz?

Auf der Pressekonferenz nach dem Anschlag referierte die Abteilungsleiterin für Sicherheit und Ordnung, Christiane Bergmann, den Ablauf des Polizeieinsatzes. Demnach waren um 12.20 Uhr, also sechzehn Minuten nachdem die Polizei informiert wurde, erst vier Funkstreifenwagen an den beiden Tatorten. Insgesamt, so Abteilungsleiterin Bergmann bei der PK, sollen irgendwann sieben Funkstreifenwagen des Polizeireviers Halle im Einsatz gewesen sein. Doch wann und wo genau waren die anderen drei Streifenwagen am Tag des Anschlags unterwegs? Von welchem Revier kamen sie?

Bis heute gibt es keine Antworten auf diese offenen Punkte. Auf konkrete Nachfragen reagiert das Ministerium nicht.

Das Schweigen des Ministeriums könnte auch damit zusammenhängen, dass es überhaupt zu wenig Streifenwagen in Halle gibt. Dabei ist es gerade bei sogenannten priorisierten Lagen der Kategorie 1 - unter die auch Anschläge wie der am 9. Oktober fallen - eminent wichtig, genügend Einsatzkräfte zur Verfügung zu haben.

Wird die "Mindeststärke" überhaupt eingehalten?

Die Zahl der pro Schicht verfügbaren Funkstreifenwagen wird in einem polizeiinternen Papier unter der Überschrift "Organisationsfortentwicklung der Landespolizei Sachsen-Anhalts" geregelt. Unterschrieben ist die Anordnung vom 7.1.2015 von der heutigen Abteilungsleiterin Bergmann, die damals noch Polizeipräsidentin war. Unter Punkt 5 heißt es dort, dass die "Mindeststärke je Dienststelle" für das Polizeirevier Halle zehn Streifenwagen sind. Am Tag des Anschlages waren also drei Streifenwagen überhaupt nicht verfügbar.

Dass die Polizei Sachsen-Anhalt die eigenen Vorgaben zur Besetzung von Funkstreifenwagen offenbar regelmäßig nicht einhält, zeigt der sogenannte "Streifenbereichsindex", der über die polizeiinterne Software ELDIS abgerufen werden kann. So zeigt der Index für den gesamten Monat August für die Polizeidirektion Nord beispielsweise, dass zu keinem Zeitpunkt alle Funkstreifenbesatzungen im Einsatz waren. In der Landeshauptstadt Magdeburg waren es wiederum im Monatsdurchschnitt nur 77,8 Prozent. Die Zahlen für Halle wollte das Innenministerium nicht mitteilen.

(Lesen Sie auch: "Vernehmung des Halle-Attentäters - Die antisemitische Wahnwelt des Stephan Balliet" )

Sendehinweis: Mehr über die Polizeiarbeit im Fall Halle am Montagabend in SPIEGEL TV um 23.25 Uhr auf RTL.

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