Angriff auf Synagoge Generalbundesanwalt klagt Attentäter von Halle an

Er griff eine Synagoge an und tötete zwei Menschen: Die Bundesanwaltschaft hat nach SPIEGEL-Informationen den Attentäter von Halle angeklagt.
Tatort in Halle (Saale)

Tatort in Halle (Saale)

Foto: Jan Woitas/ dpa

Sechs Monate nach dem antisemitischen Anschlag von Halle (Saale) hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den Tatverdächtigen erhoben. Das bestätigte dessen Verteidiger Hans-Dieter Weber dem SPIEGEL. Der Generalbundesanwalt wirft dem 28-jährigen Rechtsextremisten Stephan Balliet unter anderem zweifachen Mord sowie versuchten Mord in zahlreichen Fällen, räuberische Erpressung und Volksverhetzung vor. Über die Anklage hatten zuerst der MDR und die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet.

Der schwer bewaffnete Balliet hatte am 9. Oktober versucht, während des jüdischen Jom-Kippur-Fests in eine Synagoge einzudringen, um dort möglichst viele Gläubige zu töten . Nachdem sein Versuch gescheitert war, die Tür des Gotteshauses aufzuschießen, tötete Balliet auf der Straße eine Passantin.

Kurz darauf stürmte er einen nahe gelegenen Döner-Imbiss und erschoss einen Gast, den er irrtümlich für einen Ausländer hielt. Auf der Flucht vor der Polizei raubte der Rechtsextremist ein Auto und verletzte weitere Menschen teilweise schwer. Schließlich konnte ein Spezialeinsatzkommando den Attentäter überwältigen. 

Seine Taten hatte Balliet mit einer Helmkamera gefilmt und im Internet übertragen. Nach seiner Festnahme gestand er die ihm zur Last gelegten Vorwürfe. In Vernehmungen äußerte er immer wieder antisemitische, rassistische und verschwörungstheoretische Ansichten .

Den Ermittlungen zufolge hatte Balliet vor dem Anschlag auf die Synagoge offenbar zunächst erwogen, Moscheen anzugreifen, diesen Plan jedoch wieder verworfen. Seine Waffen hatte er größtenteils selbst gebaut, teilweise mithilfe eines 3D-Druckers.

 Der Prozess gegen ihn soll vor dem Oberlandesgericht Naumburg eröffnet werden.

srö/jpz