Halle Kinderschänder gesteht Missbrauch seines Ziehsohnes

Er verging sich an seinem Ziehsohn fast fünf Jahre lang, dann stellte der 37-Jährige Fotos davon ins Internet. Vor Gericht hat er jetzt ein umfassendes Geständnis abgelegt - und umgeht so eine höhere Haftstrafe.


Halle - Der Mann aus Sachsen-Anhalt hat den mehrfachen sexuellen Missbrauch seines Adoptivsohnes gestanden. Er habe dabei jedoch keine Gewalt und keine Drohungen angewendet, sagte der 37-Jährige am Freitag zu Beginn des Prozesses am Landgericht Halle.

Er gab zu, sich an dem heute 14-jährigen Jungen zwischen August 2003 und April 2008 mehrfach vergangen und Fotos davon ins Internet gestellt zu haben. Angesichts eines Gutachtens über den psychischen Zustand des Kindes habe er sich zu dem Geständnis entschlossen, um dem Jungen die Aussage vor Gericht zu ersparen.

"Ich wollte dem Jungen wirklich ein gutes Zuhause geben", sagte der Angeklagte. Im Frühjahr 2001 sei das Kind aus "katastrophalen" häuslichen Verhältnissen zu ihm gezogen. Dies sei im Einvernehmen mit der Mutter des Kindes geschehen, mit der er befreundet war.

Im Jahr 2003 sei es dann erstmals zu "Übergriffen" gekommen, wie der Angeklagte seine Taten vor Gericht nannte. "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat", sagte der 37-Jährige. Der Junge habe die körperliche Nähe zu ihm gesucht. "Ich muss komplett mit Blindheit geschlagen gewesen sein", sagte der Angeklagte. Er verfluche den Tag, an dem es zum ersten sexuellen Kontakt gekommen sei.

Vor der Aussage hatte der Vorsitzende Richter dem Angeklagten in einer Verfahrensabsprache eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren angeboten, wenn er ein Geständnis ablegt und so dem Jungen die Aussage erspart. Bis zu 15 Jahre sind für die angeklagten Vergehen möglich.

Der Fall hatte durch eine spektakuläre Großfahndung bundesweites Aufsehen erregt. Kanadische Ermittler hatten die Fotos im November 2007 in einem Chatraum entdeckt. Sie informierten das Bundeskriminalamt in Wiesbaden (BKA), weil auf einigen Bildern eine Himbeerlimonade und ein Schulbuch zu sehen waren, die fast nur in Sachsen-Anhalt verkauft werden. Auch der Junge war darauf zu erkennen.

In einer Umfrage unter Hunderten von Lehrern kamen die Ermittler dem Mann auf die Spur: Eine Lehrerin erkannte den Jungen auf einem der Bilder als ehemaligen Schüler wieder.

Der Mann, der bis 2007 auch als Fußball- und Schwimmtrainer im Kinderbereich tätig war, wurde dann im April festgenommen.

bog/dpa/ddp/AFP



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