Aussage vor Ermittlungsrichter Halle-Attentäter wurde von Unbekanntem finanziell unterstützt

Vor dem Richter hat der Attentäter von Halle genauere Angaben zu seiner politischen Einstellung gemacht. Nach Informationen des SPIEGEL räumte er auch ein, von einer Person finanzielle Unterstützung erhalten zu haben.

Attentäter von Halle: Haftbefehl wegen zweifachen Mordes
Silas Stein/ DPA

Attentäter von Halle: Haftbefehl wegen zweifachen Mordes

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Bei seiner Haftvorführung beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat der Attentäter von Halle, Stephan Balliet, die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft weitgehend eingeräumt. Das erklärte sein Verteidiger Hans-Dieter Weber im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Zum Tatablauf verwies Balliet in der Vernehmung immer wieder auf das von ihm aufgenommene Video. Darin hatte er erklärt, dass er gezielt Juden töten wolle. Nachdem Balliets Plan, in eine Synagoge in Halle (Saale) einzudringen, gescheitert war, sei er nach eigenen Worten "überfordert" gewesen und sein Plan sei "aus dem Ruder gelaufen", erklärte sein Anwalt.

Der 27-Jährige hatte daraufhin eine zufällig auf der Straße getroffene Frau und den Besucher eines Dönerimbisses erschossen. Weitere Passanten wurden durch Schüsse teils schwer verletzt.

Nach Angaben seines Verteidigers erklärte Balliet gegenüber dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs: "Ich habe Menschen getötet, die ich nicht treffen wollte." Nach den Worten seines Anwalts bedauere er dies und hoffe, dass die schwerverletzten Personen, die er bei seiner Flucht angeschossen hatte, überleben werden.

Zu seiner politischen Motivation habe Balliet gesagt, er habe eine "judenkritische Einstellung". Er habe außerdem bestritten, Nationalsozialist zu sein. Nicht jeder Antisemit sei ein Nationalsozialist, erklärte er laut seinem Verteidiger.

Befragt zu möglichen Mittätern oder Unterstützern habe Balliet erklärt, dass er völlig allein gehandelt habe. Auch seine Waffen habe er selbst hergestellt, aus einfachen Mitteln, für wenig Geld. So habe er Stahl im Wert von 50 Euro eingekauft, ein Fernrohr für 20 Euro und tausend Patronenhülsen für 25 Euro. Zu seinen Einkünften befragt erklärte er, dass er erwerbslos sei. Einmal habe er jedoch, von einer ihm unbekannten Person, mit der er im Internet kommuniziert habe, 0,1 Bitcoin - aktuell rund 750 Euro - erhalten.

Sein Verteidiger beschrieb den früheren Chemiestudenten aus Sachsen-Anhalt als intelligent und wortgewandt, aber "sozial isoliert". Soziale Kontakte habe er vornehmlich über sogenannte "Imageboards" im Internet gehabt. Daran habe er vor allem die "absolute Anonymität" geschätzt.

Dort habe er auch verschwörungstheoretische Inhalte konsumiert, die offenbar zu seiner Radikalisierung beitrugen.

Gegen Stephan Balliet wurde inzwischen Haftbefehl erlassen; der Generalbundesanwalt wirft ihm unter anderem zweifachen Mord und Mordversuch in neun Fällen vor. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremistischen und antisemitischen Motiv aus.

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