Attentäter von Halle Täterfilme, Opferbilder

Gewalttäter und Attentäter stellen Fotos und Filme ihrer Taten ins Netz. Zeitungen, Fernsehsender und sonstige Medien zeigen sie. Ist das erlaubt, ist es vielleicht notwendig, kann es überhaupt sinnvoll sein?

Eine Kolumne von


Fragestellung

Der Attentäter von Halle hat bekanntlich seine Tat - beziehungsweise den Ablauf seiner mehreren Taten - mittels einer Helmkamera aufgenommen und live gestreamt. Diese Sendung fand jedenfalls zum Teil die Abnehmer, auf welche sie gezielt war, also Bewunderer, potenzielle Nachahmer, Brüder und Schwestern im Geiste. Sie fand aber auch Eingang in die Nachrichten ganz unverdächtiger Medien. In einer Hauptnachrichtensendung am Abend des 9. Oktober wurde eine Sequenz aus dem Innenraum des Täter-Pkw mit einem Überblick über die dort gelagerten Sprengmittel und Waffen gezeigt. Ein Sprecher kündigte das mit den Worten an, man zeige nun "ganz bewusst nur einen kurzen Ausschnitt" aus dem Videofilm.

Nun wird man als Bürger und Gebührenzahler davon ausgehen dürfen, dass eigentlich fast alles, was öffentlich-rechtliche Sender tun, zumindest auch "ganz bewusst" erfolgt und nicht nur Erscheinungsformen des Unterbewussten sind. Das deutet darauf hin, dass mit dem Hinweis etwas anderes gemeint war: Eine besondere Demonstration, eine plakative Entscheidung, ein Signal. Die konkludente Botschaft lautete: Wir zeigen Ihnen, liebe Zuschauer, nur einen (kleinen) Teil des Videos, obwohl wir es auch ganz zeigen könnten und obwohl Sie das vielleicht auch erwarten. Wir tun das aus Gründen, die wir uns "bewusst" gemacht haben und die gute Gründe sind. Die guten Gründe kann sich, wer halbwegs bei Trost ist, denn auch denken; für den Rest wurde es gelegentlich und auf anderen Kanälen zur Sicherheit nochmal gesagt: Man wolle dem Täter nicht ein Forum geben, seine unerwünschten Inhalte zu verbreiten.

Zum Glück hatte man wenigstens ein Handy-Video eines Anwohners zur Hand, das uns aus der Perspektive eines Fensters im Zweiten Stock zeigte, wie es aussieht, wenn ein Mann hinter einem Auto steht und auf nicht sichtbare Ziele schießt. So konnte man sich das einmal vorstellen. Man kann das so oder so finden, ebenso wie die wirklich immer sehr spannenden Filmaufnahmen davon, wie ein gefesselter, mit Kapuze und/oder Gehörschutz ausgestatteter Gefangener von ungefähr 10 schwerst getarnten und bewaffneten Polizeibeamten 25 Meter weit über den Rasen des Bundesgerichtshofs geführt wird. Um diese sensationellen Bilder herzustellen, stellen sich mehrere Übertragungswagen diverser Fernsehsender, besetzt mit fassungslosen Journalistenteams, stundenlang vor den Zäunen des Geländes auf und filmen alles, was sich innen bewegt. In Tagesschau, heute & Co. sagt dann die Sprecherin, Herr B. sei heute dem Ermittlungsrichter des BGH vorgeführt worden. Hierzu sieht man zwei Sekunden lang die Glatze von Herrn B und die Kompanie vermummter Menschen, die hoffentlich allfällige Befreiungsversuche zurückschlagen könnten.

Hinter diesen eher ironischen Notizen zum Informationsgehalt und Informationsbedürfnis gibt es natürlich auch ernsthafte Fragen. Sie sind teils strafrechtlicher, teils medienrechtlicher, teils vielleicht staatsrechtlicher Art, zum Teil aber auch nur medienpolitischer Natur. Man muss da ein bisschen unterscheiden.

Unterscheidungen

Eine erste Unterscheidung betrifft die Herkunft des Gegenstands: Tätervideos sind nicht dasselbe wie Zeugenvideos. Videos sind nicht dasselbe wie "Erklärungen", Rechtfertigungen oder Programm-Schriften, wie sie bei politisch motivierten Straftaten (auch) immer noch üblich sind. In der Regel wird bei Dokumenten, die von Zeugen hergestellt wurden, der Propaganda-Effekt geringer sein als bei solchen, die von Tatbeteiligten herrühren.

Eine zweite Unterscheidung betrifft den unmittelbaren Inhalt: Das Abfilmen oder -Fotografieren von äußeren Abläufen, allgemeinen Auswirkungen, Aktivitäten der Polizei usw. hat eine andere Natur als die Darstellung der Tat selbst, sei es der Täterhandlungen, sei es der Handlungswirkungen.

Beispielhaft: Die Filmsequenz aus dem Tätervideo aus dem Kfz ist anders zu beurteilen als die Szene mit dem schießenden Täter (erste Unterscheidung); unter den Szenen aus dem Tätervideo sind Sequenzen aus dem Kfz, Szenen vom Versuch des Eindringens in die Synagoge und Darstellungen der beiden Tötungsverbrechen verschieden zu beurteilen (zweite Unterscheidung).

Das Verbreiten von bildlichen Tatdokumentationen kann strafbar sein. Es kommen hier in Betracht: § 126 StGB (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten), § 140 StGB (Belohnen und Billigen von Straftaten), § 130 StGB (Volksverhetzung), § 130a StGB (Anleitung zu Straftaten), § 131 StGB (Gewaltdarstellung). Alle genannten Tatbestände sind Äußerungsdelikte, also auf Kommunikation nach außen ausgerichtet, und können (gerade) auch durch Verbreitung über Funk (Fernsehen) und Internet begangen werden. Dabei ist natürlich im Grundsatz jeweils zu unterscheiden, von wem das Verbreiten vorgenommen wird.

Die Delikte der (Belohnung und) Billigung von Verbrechen, der Volksverhetzung (durch Aufstacheln zu ähnlichen Gewalthandlungen) und der Anleitung zu schweren Straftaten, wenn die Verbreitung die Bereitschaft Dritter zur Begehung fördern soll (§ 130a Abs. 2), betreffen regelmäßig nur Tatbeteiligte, Unterstützer oder Sympathisanten; sie setzen jeweils in der einen oder anderen Form voraus, dass der Täter (des Verbreitens) sich mit der angedrohten, gebilligten oder beabsichtigten Tat identifiziert, sie befürwortet. Das scheidet bei Fernsehsendern, Zeitungen und legalen Internetmedien meistens aus, ist aber auch hier nicht ausgeschlossen. Hierzu muss man sich nur klar machen, dass der Charakter einer Tat als schwere Straftat (im Sinn von §§ 126, 130, 140 StGB) durchaus streitig sein kann. Man denke etwa daran, wie oft von öffentlich-rechtlichen deutschen Sendern die Videoaufnahmen von der irrtümlichen Tötung von mehr als 140 Zivilisten durch deutsche Soldaten in Kundus gezeigt wurden. Anders als etwa die ebenfalls vielfach gesendeten Filmaufnahmen von der Erschießung von Zivilisten aus einem amerikanischen Kampfhubschrauber in Bagdad am 6. April 2010 wurde hier ja durchaus die Meinung vertreten, es handle sich um einen vollkommen gerechtfertigten Fall massenhafter Tötung. Es ist also nicht immer ganz so einfach wie erwünscht, zwischen der Dokumentation von Heldentaten, Unfällen und Verbrechen zu unterscheiden. Und dasselbe Video kann von einem Sender als Dokument eines Verbrechens gezeigt werden, von einem anderen als Dokument rechtmäßigen Verhaltens.

Motive

Durchaus problematisch kann, auch für Nicht-Sympathisanten, die subjektive Tendenz von Veröffentlichungen sein. § 140 StGB setzt voraus, dass durch das Verbreiten eine schwere Straftat, "in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, gebilligt wird". Nun kann man regelmäßig davon ausgehen, dass der Inhalt Täter-generierter "Dokumentationen" offenkundigen Billigungscharakter hat. Wenn ein Sender oder ein anderes Medium solche Inhalte einfach nur "neutral", unkommentiert und undistanziert verbreitet, liegt es nahe, auch der Verbreitungshandlung eine solche billigende Tendenz zu unterstellen. In den 70er Jahren gab es des Öfteren Fälle, in denen linksradikale Medien Erklärungen, Verlautbarungen oder Aufrufe von terroristischen Gruppen scheinbar neutral dokumentierten, in denen das aber zu Strafverfahren wegen Unterstützung der inhaltlichen Ziele führte. Mehr als bei bloßen Textnachrichten dürfte das erst recht für Filmdokumente gelten, die Tatdarstellungen und -rechtfertigungen oder Aufrufe zu ähnlichen Taten verbinden.

Andererseits erfüllt eine Dokumentation, die sich vom Inhalt des Gezeigten ausdrücklich distanziert, nicht zum Verdacht der Billigung oder Unterstützung, in welcher Form auch immer. Die Grenzen sind auch hier nicht völlig einfach. Dazu muss man gar nicht erst an "Gladbeck" und das vollständige (damals vorschnell als "einmalig" bezeichnete) verantwortungslose Versagen der Medien erinnern. Man denke etwa an das bekannte Foto des im Jahr 1977 entführten Unternehmers Schleyer ("Gefangener der RAF") und das vielfach ausgestrahlte Video des Appells Schleyers an die Bundesregierung, sein Leben zu retten. Dass die Entführer diese Veröffentlichungen "gefordert" hatten, ist richtig, muss aber nicht bedeuten, dass die Nichterfüllung der Forderungen nicht möglich gewesen wäre: Im Angesicht der Weltgeschichte ist schon so manchem Spitzenjournalisten die Grenze zwischen Begeisterung, Mitmachen und Abscheu verrutscht. Und der strikt "nicht teilnehmende" Massakerfotograf gilt vielfach als Held der "Profi"-Reportage.

Schwieriger ist es im Hinblick auf § 131 StGB. Absatz 1 der Vorschrift lautet:

Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

eine Schrift (oder Darstellung), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildert, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt, (…) verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht, (…) oder einen (solchen) Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien …der Öffentlichkeit zugänglich macht. In den Fällen des Satzes 1 (…) ist der Versuch strafbar.

Was "unmenschliche Gewalttätigkeiten" im Sinn des Gesetzes sind, was eine "Verherrlichung oder Verharmlosung und eine die Menschenwürde verletzende Darstellung, kann hier im Einzelnen nicht ausgeführt werden. Und ich kann auch nicht die interessante Frage erörtern, was "menschenähnliche Wesen" sind und wie sich diese Variante des Tatbestands mit der Realität des über die Maßen freien Internet- und "Spiele"-Marktes verträgt: Wer je zwei FSK-18-Splatter- oder Zombie-Filme bei Bio-Gemüsechips und Jasmintee überstanden hat, zweifelt sowieso daran, dass Wissenschaft einen Sinn hat.

Gäbe es nur § 131 Abs. 1, sähe die Rechtslage für die Medien ziemlich düster aus. Ob man das als Schreckensvision oder als Verheißung ansehen will, mag dahinstehen und ist sicher Geschmackssache. Es spielt keine Rolle, weil es den Absatz 2 gibt:

"Absatz 1 gilt nicht, wenn die Handlung der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient."

Bingo! Damit könnte alles ins Gegenteil verkehrt sein und die Devise gelten: Je mehr Grausamkeit, Menschenverachtung und Quälerei, desto besser. Es spricht manches dafür, dass diese Devise nicht bei allen Mitarbeitern aller Medien als falsch angesehen wird, insbesondere da es ja der liebe Zuschauer und Leser einfach "wünscht" und sonst vielleicht die Werbung im Konkurrenzsender anschaut. Und "Wenn wir's nicht machen, macht's jemand anders" war schon immer eine der ganz besonders goldenen Regeln des journalistischen Showgeschäfts.

Aber wir wollen nicht ansatzweise so weit gehen zu behaupten, es gebe in den Kreisen, die es betrifft, eine Mehrheit für die zitierte Devise. Da ist nicht nur der Deutsche Presserat davor, sondern auch die großen Geister der Aufklärung, Information und Verantwortung, in deren Tradition man heute schreibt, sendet und Preise verleiht. Und zum Glück auch eine große Mehrheit anständiger Journalisten.

Erfahrungen

Ich habe im Lauf meines Berufslebens sicher tausend Strafakten wegen Tötungsverbrechen gesehen. Vier Jahre lang habe ich ein sogenanntes Schwurgericht geleitet, das sich in erster Instanz ausschließlich mit (vorsätzlichen) Tötungsdelikten befasst. Ich habe daher, glaube ich, Fotos, Filme, Beschreibungen und Auswirkungen von so ziemlich jeder Art von Qual und Gewalt aufmerksam betrachtet, zu der Menschen fähig sind - und das ist wirklich eine Menge. Aus diesem Grund bräuchten sich Regisseure deshalb wirklich nicht die Mühe zu machen, mir das Herausquellen von Därmen, den Austritt von großkalibrigen Geschossen aus dem Auge oder das Durchtrennen von Speise- und Luftröhre mit einem stumpfen Messer in Großaufnahme zu zeigen: Ich weiß, wie das aussieht, und sogar, wie es riecht.

Die meisten anderen Leser und Zuschauer, die noch nicht gesehen haben, wie ein zerschlagenes Kindergesicht oder eine längs durch einen Körper getriebene Eisenstange aussehen, haben eine etwas ambivalente Einstellung dazu: Einerseits ist es ein großer Reiz, etwas Schreckliches aus sicherer Distanz zu betrachten; andererseits fürchtet man sich ja doch davor, dass es einen einholt und anspringt, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Heutzutage, da das Maß der allgegenwärtigen Gewalt-Bilder und -Fantasien unermesslich geworden ist, jammern besonders viele Menschen gern darüber, dass sie schon durch die bloße Vorstellung davon "traumatisiert" seien. Sie schauen dann aber statt der Doku über Schmetterlinge auf Arte oder der Schlagerdemenzparade auf MDR doch lieber einen neuen Wallander über Serienmörder an.

Bei realen Straftaten ist das noch etwas spezieller: Die meisten Menschen erleben ja keine wirklichen (schweren) Straftaten, speziell Gewalttaten in ihrem Leben; sie hören oder lesen nur davon oder sehen Berichte. Umso faszinierender und reizvoller ist für viele, solche Taten sozusagen in ihr eigenes Leben zu holen, als Grusel-Höhepunkt der eigenen Lebenswelt zu erschließen. Regelmäßig rührend, wenn auch abstoßend, ist es zu erleben, wie zufällige Zeugen von Gewaltverbrechen aufgeregt Auskünfte in Kameras darüber geben, welch völlig belanglosen Beobachtungen sie gemacht haben oder wie sich das Verbrechen - auf meist banalste Art - auf sie ausgewirkt hat.

Wenn man noch etwas weiter ins Innere vordringt, stößt man auf durchaus beunruhigende Erkenntnisse: Der Identifikation mit dem ("armen") Opfer, dem Mitleiden und der Anteilnahme entsprechen nämlich ebenso starke Impulse der Identifikation mit dem Täter, des Einfühlens in das Erlebnis der Gewalt, des Kampfes, des Siegs. Wäre es anders, gäbe es die Tausenden von "Spielen" ja nicht, die das simulieren und jenseits des angeblich "reinen", zweckfreien "Spaßes" selbstverständlich vor allem den psychischen Umgang mit Gewaltausübung einüben, in welche Richtung auch immer. Zu behaupten, das "Spielen" des massenhaften Erschießens von fremdrassigen "Untermenschen" in möglichst realistischer, dreidimensionaler, multimedialer Virtualität habe nicht den Effekt der Abstumpfung, Entmenschlichung und Gewöhnung, halte ich für komplett irrwitzig. Und wenn man sich ein wenig näher mit dem Design der Ausrüstung realer "Spezialtruppen", "Elitekämpfer"; Einsatzkommandos usw. befasst, mag man durchaus auf die Idee kommen, dass die Wirklichkeit sich eher dem Vorbild der virtuellen "Spiele"-Welt anpasst als umgekehrt. Das gilt übrigens auch für das Waffen-Design.

Berichterstattung

In Halle hat ein Straftäter zwei Menschen durch Erschießen getötet und erfolglos versucht, weitere 70 Menschen zu töten. Er hat dazu unter anderem versucht, eine Tür zu durchbrechen, hinter der sich die potenziellen Opfer in Sicherheit gebracht hatten. Bei der Tat trug er eine Fantasie-Uniform, um sich den Anschein eines Soldaten in einem "Krieg" zu geben, der sich gegen angeblich Fremde richtet.

Dieser Sachverhalt ist sehr übersichtlich und enthält zunächst keine Geheimnisse. Er beschreibt Szenen, die jeder deutsche Fernsehzuschauer schon Hunderte Male in Spielfilmen gesehen hat. Das Anschauen eines Bildes von dem Kfz des Täters oder seines Helms von hinten vermittelt nicht die geringste zusätzlich nützliche Information. Es gibt daher in der Sache überhaupt keinen Grund, das Verbreiten dieser Bilder als Anliegen der "Berichterstattung" anzusehen.

Das gilt erst recht für den Täterfilm (beziehungsweise für Täterfilme im Allgemeinen). Kein Zuschauer hat ein irgendwie begründbares Anrecht darauf zuzuschauen, wie andere Menschen getötet, verletzt oder gequält werden. Es gibt keinen erkennbaren präventiven oder aufklärenden Grund, den Blickwinkel eines Mörders auf seine Opfer zu "berichten", um dann anschließend eine Serie von "Brennpunkten" über die eigene "Fassungslosigkeit" zu veranstalten, als ob man noch nie gesehen habe, wie Herr X Frau Y in den Kopf schießt. Tatsächlich läuft das jeden Tag 15mal im Free-TV und erzeugt allgemeine Langeweile, falls es nicht mindestens mit einer Panzerfaust geschieht.

Ich bin deshalb für jeden Sender, jedes Medium, jeden Online-Dienst sehr dankbar, der nicht nur "ganz bewusst" auf das Vorführen der schlimmsten Szenen solcher abwegigen Darstellungen verzichtet, sondern es gar nicht erst in Betracht zieht, sich für sein "ganz bewusstes" Teil-Schonen des lieben Zuschauers zu loben. Jeder, der meint, es stehe ihm zu, per Teleobjektiv dem Töten von Menschen zuzusehen, mag sich überlegen, ob er gern den Tod seiner Angehörigen zwecks "Berichterstattung" über die Schlechtigkeit des Täters live im Fernsehen betrachten möchte.

Für die Medien gilt, nach meinem Geschmack, nichts anderes. Eduard Zimmermann blendete bei seinen nachgestellt "realen" Tatfilmchen wenigstens aus, wenn der Mörder zuschlug oder der Vergewaltiger zupackte. Heute bieten uns die Täter selbst das Dabeisein auch in diesen Phasen. Wer da immer noch meint, die "Pflicht" zur Berichterstattung gebiete es, dieses Geschäft der Täter zu betreiben, irrt, auch wenn das Strafrecht und das Presserecht die Grenzen bis über diese Grenze hinausschieben.



insgesamt 57 Beiträge
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geotie1 12.10.2019
1.
Diese Filme öffentlich zeigen? Meiner Meinung sollte man das unterlassen! Auch wenn man da sehen könnte, was für ein krankes Hirn da im Gange ist. Diese Frage sollten sich beim Ansehen dieser Bilder auch die machen, die wie beim Ego-Shooter eine Befriedigung erleben. Leute, die gerne Unfallopfer filmen statt bei der Menschenrettung zu helfen, ebenfalls.
haspelbein 12.10.2019
2. Weitgehende Zustimmung
Ich stimme zu, dass die Verbreitung dieser Szenen durch die Medien unangebracht ist. Sie bringen keine neuen Informationen zum Sachverhalt, und geben dem Täter die Aufmerksamkeit, die er mit seinen Taten suchte. Allerdings ist dies durch die Sharing-Plattformen ebenso nicht mehr entscheidend. Die Menschen werden diese Aufnahmen finden, und ich selbst weiss auch wo sie zu finden sind, selbst wenn ich sie nicht sehen möchte. Egal wie man sich entscheidet, die Wirkung wird begrenzt bleiben.
linoberlin 12.10.2019
3. die Taten in Worten
zu schildern reicht. Warum bloß nehmen wir uns nicht Neuseeland zum Vorbild. Keine Bilder, keinen Namen des Täters, nichts. So wird ihm das genommen, worauf er im Zweifel aus war: in ein paar Minuten ein bisschen berühmt werden.
salomon17 12.10.2019
4. Danke, danke, danke
Endlich schreibt das mal jemand so, wie ich es empfinde: Nein, ich möchte nicht sehen, wie einer meiner Freunde oder Angehörigen verletzt oder getötet wird. Und genau aus diesem Grund halte ich auch das Zeigen solcher Vorfälle in den Medien nicht nur für überflüssig, sondern lehne es ab. Und was ich von Leuten halte, die sich so was ansehen, womöglich noch mit wohliger Gänsehaut, will ich hier lieber nicht schreiben, um die Netiquette nicht zu verletzen. Gaffer sind schlicht eklige Zeitgenossen.
Sendungsverfolger 12.10.2019
5. Kurzfassung
Wer solche Geschehnisse ins Netz stellt oder im TV veröffentlicht, will sich entweder wichtig machen oder Geld damit verdienen. Punkt. Eine rechtliche Beurteilung ist somit weitgehend irrelevant. Es ist eine Frage des Anstandes und der Moral. Und natürlich des Geldes.
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