Briefe an den Attentäter von Halle Suspendierte Polizistin galt als »unbeschriebenes Blatt«

Eine junge Polizeibeamtin soll dem Attentäter von Halle ihre Bewunderung ausgedrückt und romantische Avancen gemacht haben. Die Frau ist möglicherweise psychisch krank – wird der Fall nun auch politisch aufgearbeitet?
Foto: Silas Stein/ DPA

Die Polizistin, die den Rechtsterroristen Stephan Balliet verehrt und ihm Briefe geschrieben haben soll, ist nach SPIEGEL-Informationen bislang nicht negativ aufgefallen. Die junge Frau aus Sachsen-Anhalt, die Anfang 20 sein soll, galt als »unbeschriebenes Blatt« – bis ihre mutmaßlichen Sympathien für den Antisemiten bekannt wurden.

Die Beamtin aus dem Revierkommissariat Bitterfeld-Wolfen soll Balliet, der 2019 einen Anschlag auf die Synagoge in Halle an der Saale verübt hatte, mehrere Briefe mit teils romantischem Inhalt geschrieben haben. Wie zuerst die »Mitteldeutsche Zeitung«  sowie »Süddeutsche Zeitung«, NDR und WDR berichtet  hatten, signalisierte sie darin auch ihre Unterstützung für Balliets rechtsextreme Ansichten und antisemitische Verschwörungsmythen.

Insgesamt soll die Frau im Laufe mehrerer Monate mehrere solcher Briefe geschrieben haben – angeblich unter anderem Namen und mit falscher Adresse, um so die Aufmerksamkeit der Postkontrolle in der JVA nicht auf sich zu lenken.

Balliet führte nach SPIEGEL-Informationen mehrere solcher Brieffreundschaften mit Sympathisanten, im aktuellen Fall ging die Initiative von der Polizistin aus. Der Rechtsterrorist, der im Hochsicherheitsgefängnis Burg bei Magdeburg eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzt, beantwortete diese Briefe, ging auf die romantischen Avancen der Frau aber nicht ein.

Worum genau es in dem Briefwechsel ging, ist bislang nicht bekannt. Weder das Landesinnenministerium noch Balliets Anwalt Hans-Dieter Weber wollten sich auf Anfrage zu den Vorgängen äußern.

Aufgefallen war die Beamtin, weil andere Einsatzkräfte sich bei Vorgesetzten gemeldet hatten. Die Frau ist derzeit vom Dienst suspendiert, der Fall wird nun beamtenrechtlich geprüft. Es gibt den Verdacht, dass die Polizistin möglicherweise psychisch krank ist.

Aus der Opposition im Landtag von Sachsen-Anhalt kommen nun Forderungen nach einer politischen Aufarbeitung. Man werde sich den Fall im Innenausschuss »genau anschauen«, kündigte etwa die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Henriette Quade, an.

»Polizistinnen und Polizisten müssen nicht nur auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, sondern auch emotional und psychisch stabil sein.«

Sebastian Striegel, die Grünen

Auch die Grünen fordern Aufklärung, von einem »besorgniserregenden Vorgang« spricht Landesparteichef Sebastian Striegel. »Die zentrale Frage lautet jetzt: Wie ist sie ins Auswahlverfahren der Polizei gekommen?«, sagte er dem SPIEGEL. »Wer hat sie zum Studium zugelassen, gab es schon damals Auffälligkeiten?«

Ohne eine emotionale und psychische Instabilität lasse sich der Vorgang kaum erklären, so Striegel. »Polizistinnen und Polizisten müssen aber nicht nur verlässlich auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, sondern natürlich auch emotional und psychisch stabil sein.«

Striegel forderte die erst seit Donnerstag amtierende Landesregierung auf, in dem Fall unverzüglich Bericht zu erstatten. Dafür müsse sich der Innenausschuss des Landtages bis spätestens Anfang kommender Woche konstituieren.

mxw
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.