SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. November 2017, 19:37 Uhr

Sterbehilfeprozess in Hamburg

Richter spricht angeklagten Arzt frei

Ein Arzt hatte im Jahr 2012 zwei alten Frauen tödliche Medikamente gebracht. Das Landgericht Hamburg sprach den Mediziner jetzt frei.

Ein Prozess um Sterbehilfe am Hamburger Landgericht hat mit einem Freispruch für den Angeklagten geendet. Dem Mediziner war versuchte Tötung auf Verlangen durch Unterlassen vorgeworfen worden.

Der 75-Jährige war angeklagt worden, weil er zwei über 80-jährigen Frauen im November 2012 tödliche Medikamente gebracht hatte. Die Anklage hielt dem Arzt vor, er hätte Rettungsmaßnahmen einleiten müssen, sobald die Frauen bewusstlos waren. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft für den Mediziner gefordert.

Der Vorsitzende Richter sagte nun, dass die Entscheidung der Seniorinnen, aus dem Leben scheiden zu wollen, von ihnen bewusst getroffen worden sei. Beide hätten nicht zu unüberlegten spontanen Entscheidungen geneigt.

Die Zulassung des Prozesses hatte sich über mehrere Jahre gezogen. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich auch den früheren Hamburger Justizsenator Roger Kuschangeklagt. Der 63-Jährige ist Vorsitzender des Vereins "Sterbehilfe Deutschland", dem die Frauen einige Zeit vor ihrem Tod beigetreten waren. Das Verfahren gegen Kusch wurde jedoch nicht eröffnet.

bbr/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung