Hamburg Bischöfin soll schon vor Jahren von Missbrauchsfall gewusst haben

Schwere Vorwürfe gegen die Nordelbische Kirche: Nach SPIEGEL-Informationen ist die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen bereits 1999 über sexuelle Übergriffe eines Pastors an Minderjährigen in ihrer Kirche informiert worden - und nicht erst im März. Die Geistliche streitet das ab.
Hamburger Bischöfin Jepsen: Kann sich an entscheidende Gespräche nicht erinnern

Hamburger Bischöfin Jepsen: Kann sich an entscheidende Gespräche nicht erinnern

Foto: Fredrik v.Erichsen/ picture alliance / dpa

Hamburg - Der Ruf der Nordelbischen Kirche bekommt herbe Kratzer - und ausgerechnet die leitende Geistliche ist dafür verantwortlich: Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen soll nach Informationen des SPIEGEL 1999 mehr über einen Missbrauchsfall in der Nordelbischen Kirche gewusst haben, als sie dazu jüngst öffentlich mitgeteilt hat.

Zwei Frauen, darunter eine pensionierte Pröpstin, haben inzwischen angegeben, Jepsen bereits vor elf Jahren darüber in Kenntnis gesetzt zu haben, dass ein Pastor aus Ahrensburg sich an Minderjährigen aus seiner Gemeinde vergriffen habe. Die Pröpstin will der Bischöfin seinerzeit auch erklärt haben, dass der Geistliche deshalb in seiner Gemeinde nicht mehr zu halten sei.

Tatsächlich hatte die Kirchenleitung den Pfarrer Dieter K. 1999 aus der Ahrensburger Gemeinde herausgenommen, die wahren Gründe aber verschwiegen. Anders als bis in jüngster Zeit noch behauptet, wurde er von der Kirchenleitung anschließend auch nicht auf eine Stelle versetzt, auf der er keinen Kontakt mehr mit Jugendlichen haben konnte, sondern arbeitete bis Ende 2000 als normaler Gefängnisseelsorger in der Jugendanstalt Schleswig. Gleichzeitig blieb er Religionslehrer an einem Gymnasium, ohne dass die Schulleitung von der Kirche über die Verdachtsfälle informiert wurde.

Nachdem der Fall im Mai bekannt wurde, hatte Jepsen in einem Interview gesagt, sie habe von den Gründen für die Versetzung nichts gewusst. Daraufhin hat Heide Emse, damals zuständige Pröpstin für Ahrensburg, der Bischöfin nunmehr in einem Brief mitgeteilt, wenn sie diese Aussage noch einmal wiederhole, werde sie ihr öffentlich widersprechen. Nach Emses Darstellung hatte sie Jepsen 1999 in der Pause eines Konvents mündlich darüber informiert, dass es sowohl bestätigte als auch unbestätigte Hinweise auf Übergriffe des Pfarrers gegeben habe.

Auch schriftliches Material belastet die Geistliche

Darüber hinaus will ebenfalls noch 1999 die Schwester eines Opfers die Bischöfin bei einem Kongress in Lübeck persönlich angesprochen und darauf hingewiesen haben, dass es durch den Pfarrer Dieter K. zu sexuellem Missbrauch an Jugendlichen in Ahrensburg gekommen sei.

Doch Jepsen bestreitet die Vorwürfe: Sie will sich an beide Gespräche nicht erinnern; eindeutige Hinweise auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen könne es aber nicht gegeben haben, da sie andernfalls umgehend darauf reagiert hätte.

Aus dem Protokoll einer Besprechung des Bischofskollegiums mit dem Personaldezernat des Kirchenamts am 1. November 1999 geht allerdings hervor, dass Jepsen von Vorwürfen gegen K. Kenntnis erlangt haben musste. Dort hieß es: "Frau Bischöfin Jepsen fragt an, ob Herr Pastor K. möglicherweise intime Verhältnisse mit jüngeren Frauen hatte. Den Anwesenden ist darüber nicht Näheres bekannt."

Eine weitere Aufklärung wurde daraufhin 1999 offenbar nicht veranlasst. Pastor Dieter K. wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.