Streit über Flüchtlingsheim in Blankenese Linksradikale kündigen "Kettensägenmassaker" an

Im Hamburger Nobelviertel Blankenese kämpfen Anwohner gegen ein geplantes Flüchtlingsheim. Nun hat eine linksradikale Gruppierung zu einer Baumfäll-Aktion aufgerufen - die Polizei bereitet sich vor.

Björnsonweg in Blankenese
SPIEGEL ONLINE

Björnsonweg in Blankenese


Der Streit um den Bau einer Flüchtlingsunterkunft im Hamburger Nobel-Stadtteil Blankenese wird immer kurioser. Nun hat die "Interventionistische Linke" - nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss linksradikaler Menschen und Gruppen - für den Abend ein "Blankenese Chainsaw Massacre" angekündigt.

Was sich dahinter verbirgt? Die Hamburger Mitglieder der "Interventionistischen Linken" rufen zu einer Baumfäll-Aktion auf - als Reaktion auf den gerichtlich verfügten Stopp der Baumfällarbeiten.

Auf einem Gelände am Björnsonweg in Blankenese will die Stadt Pavillons für rund 200 Flüchtlinge errichten. 42 Bäume, die dafür gefällt werden sollen, müssen nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts vom Mittwoch nun erst einmal stehen bleiben. Das Gericht habe eine Zwischenverfügung erlassen, die bis zu einer Entscheidung über eine Anwohnerklage im Eilverfahren gelte, sagte eine Sprecherin. Anwohner hatten am Dienstag die Zufahrt mit Autos blockiert, um die Fällarbeiten zu verhindern.

Vor der erforderlichen näheren Prüfung im Eilverfahren dürften keine unumkehrbaren Tatsachen geschaffen werden, hieß es. Das Gericht untersagte vorerst alle Vorarbeiten für den Bau der Unterkunft. Geklagt hatte ein Anwohner. Sein Anwalt kritisiert, die Baugenehmigung für das Flüchtlingsheim kollidiere mit europäischem Umweltrecht.

In der Ankündigung der "Interventionistischen Linken" heißt es, man werde nicht akzeptieren, dass die Schickeria in Hamburg unter sich bleiben wolle: "Was wir brauchen ist echte Solidarität mit den Geflüchteten." Und diese Flüchtlingssolidarität werde "jetzt zur Handarbeit".

Die Hamburger Polizei hat mit dem Staatsschutz über den Aufruf der "Interventionistischen Linken" gesprochen. Die Gruppierung sei dem Staatsschutz bekannt, sagte eine Polizeisprecherin. "Wir nehmen solche Ankündigungen grundsätzlich ernst", sagte sie. "Wir werden auch mit polizeilichen Maßnahmen darauf reagieren." Welche Maßnahmen das sind, wollte die Sprecherin "aus einsatztaktischen Gründen" nicht verraten.

Wie genau die Baumfäll-Aktion ablaufen soll, geht aus der Ankündigung nicht hervor. Angekündigt ist am frühen Abend eine Radtour vom Bahnhof Altona nach Blankenese.

wit



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