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01. März 2019, 20:47 Uhr

Nach tödlichem Unfall

Bundesgerichtshof bestätigt erstmals Mordurteil gegen Raser

Weil er der Polizei entkommen wollte, nahm er den Tod anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf. Deshalb beurteilte der Bundesgerichtshof das Verhalten eines Rasers erstmals als Mord.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat zum ersten Mal ein Mordurteil gegen einen Auto-Raser bestätigt. Der damals 24-Jährige, der keinen Führerschein hat, hatte im Mai 2017 in Hamburg alkoholisiert ein Taxi gestohlen und bei einem anschließenden Unfall auf der Flucht vor der Polizei einen Menschen getötet.

Dem Mann sei bewusst gewesen, dass sein Verhalten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu einem tödlichen Unfall führen würde. Dies habe er vorsätzlich gebilligt, "weil er kompromisslos das Ziel, der Polizei zu entkommen, verfolgte". Die Flucht sei ihm sogar wichtiger gewesen als das sichere eigene Überleben, urteilte der BGH und bestätigte damit ein Urteil des Landgerichtes Hamburg. Das hatte den Mann unter anderem wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Er war nach dem Diebstahl des Taxis mit einer Geschwindigkeit von bis zu 155 Stundenkilometern vor den Beamten geflüchtet, bevor er gegen einen Kantstein gestoßen war und die Kontrolle über das Auto verloren hatte. Schließlich war er frontal mit einem nur 20 Stundenkilometer fahrenden Taxi zusammengestoßen. Einer der Insassen des Taxis war noch am Unfallort verstorben, zwei weitere wurden schwer verletzt.

Zuvor hatte der Bundesgerichtshof in einem deutlich anders gelagerten Fall zwei Mordurteile gegen Auto-Raser in Berlin aufgehoben. Beim Mordvorwurf gegen die Männer, die mit ihren Wagen ein Rennen ausgetragen hatten, vermissten die Richter des BGH damals Belege für einen bedingten Tötungsvorsatz.

fek/jur/dpa

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