Cold-Cases-Affäre in Hamburg Polizeichef lässt Arbeit der LKA-Spitze überprüfen

Der abgesetzte Chef der Hamburger Cold-Cases-Einheit erhebt schwere Vorwürfe gegen die Arbeit des Landeskriminalamts in seinem Fall. Der Polizeipräsident will deshalb eine neue Untersuchung einleiten.

Ermittler Baack (Mitte) im September 2017
DPA

Ermittler Baack (Mitte) im September 2017


In der Affäre um den abgesetzten Chef der Hamburger Cold-Cases-Einheit, Steven Baack, hat Polizeipräsident Ralf Martin Meyer eine neue Untersuchung eingeleitet. Nach SPIEGEL-Informationen teilte Meyer am Freitag in einem internen Schreiben mit, dass eine Arbeitsgruppe unter Leitung eines pensionierten Kriminaldirektors die Kritik Baacks an der Spitze der Landeskriminalamts (LKA) überprüfen soll.

In einem Schriftsatz erhebe Baacks Anwalt nicht unerhebliche Vorwürfe zu mangelnder Führung und Zusammenarbeit innerhalb des LKA, erklärte Meyer laut Angaben aus der Polizei.

Die Hamburger Polizei hatte Baack und dessen neu gegründete Cold-Cases-Einheit zuvor als Hoffnungsträger zur Aufklärung alter ungelöster Kriminalfälle gefeiert. Er wurde jedoch Ende vergangenen Jahres abgesetzt, nachdem eine Richterin in einem Verfahren wegen Mordversuchs schwere Vorwürfe gegen die ermittelnde Einheit erhoben hatte. Zeugen seien womöglich suggestiv befragt oder gar getäuscht worden. Der Angeklagte wurde freigesprochen (mehr zu dem Fall lesen Sie hier).

Daraufhin richtete die Polizei eine interne Ermittlungsgruppe ein, um die Arbeit der Soko zu untersuchen. Ein Zwischenbericht übte harsche Kritik an Baack und der Einheit. Nun soll der Abschlussbericht vorliegen, auch eine Überprüfung der Kripo München dazu. Beide Berichte zeigten den Worten Meyers zufolge, dass die Ermittlungen den gebotenen hohen Anforderungen nicht gerecht geworden seien, heißt es aus dem Polizeipräsidium. Offenbar ist nach SPIEGEL-Informationen aber nicht von schwerem, möglicherweise strafrechtlich relevantem Fehlverhalten die Rede.

Baack, der krankgeschrieben ist, hatte zuletzt über seinen Anwalt das Vorgehen der LKA-Ermittlungsgruppe in seinem Fall als unfair und unprofessionell kritisiert. Um die Vorwürfe gegen ihn zu klären, hat er eine disziplinarische Selbstanzeige erstattet.

agr



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