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15. Dezember 2018, 08:54 Uhr

Cold-Cases-Affäre in Hamburg

Festnahme war laut LKA "übereilt"

Der Freispruch im Prozess um einen Mordversuch aus dem Jahr 1980 blamierte kürzlich Ermittler in Hamburg. Nun zeigt eine interne LKA-Überprüfung nach SPIEGEL-Informationen erhebliche Mängel in dem Fall.

Der Ende Oktober vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochene Hamburger Frank S., 54, hätte nach dem Stand der Ermittlungen wohl gar nicht erst vor Gericht gestellt werden dürfen. Das lässt sich nach SPIEGEL-Informationen aus einer vorläufigen internen Überprüfung des Landeskriminalamts (LKA) schließen.

Der Freispruch hatte für Aufsehen gesorgt, weil die Richterin schwere Vorwürfe gegen die ermittelnde Cold-Cases-Einheit mit ihrem Chef Steven Baack erhoben hatte. Diese hätte womöglich Zeugen suggestiv befragt und getäuscht.

In seinem bisher unveröffentlichten Zwischenbericht stellt das LKA den Beweiswert der zentralen Indizien infrage. Weder angebliche Aussagen des Beschuldigten zum Tatmesser waren danach belastbar noch die Angaben des Hauptbelastungszeugen.

"Suggestive Befragungssituationen"

Das Opfer, das 1980 niedergestochen und sexuell bedrängt wurde, habe sich nur bedingt an den Täter erinnern können. Vergleichsfotos seien unprofessionell präsentiert worden. Die meisten Mängel seien jedoch für die Staatsanwaltschaft bereits vor Anklageerhebung aus den Akten erkennbar gewesen, heißt es. Schon die vorläufige Festnahme erscheine "übereilt".

Der Bericht räumt Ermittlungsfehler und "suggestive Befragungssituationen" ein. Keine Belege fand das LKA für den Vorwurf, Baack habe gegenüber dem Beschuldigten und einem Zeugen wahrheitswidrig behauptet, am Tatmesser sei DNA gesichert worden.

Der Soko-Chef wurde bereits abgesetzt. Auch die Staatsanwaltschaft prüft die Vorwürfe.

agr

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