Hamburger Cold-Case-Affäre Polizeipräsident setzt LKA-Chef ab

Das notwendige Vertrauen fehlt: Bei der Aufarbeitung von Ermittlungsfehlern zu einem Mordversuch im Jahr 1980 verliert nun auch der Chef des Landeskriminalamts seinen Posten. Der Leiter der Einheit musste bereits gehen.

Frank-Martin Heise
Daniel Reinhardt/dpa

Frank-Martin Heise


Der Hamburger Polizeichef ließ nach den schweren Ermittlungsfehlern bei einer Einheit für sogenannte Cold Cases die Arbeit an der Spitze des Landeskriminalamts (LKA) untersuchen. Nach dem abgesetzten Chef der Einheit, Steven Baack, muss nun auch der Leiter des LKA gehen: Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hat Frank-Martin Heise seines Amtes enthoben.

"Mir als Amtsleitung fehlt das notwendige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit", heißt es in einem internen Schreiben Meyers an seine Kollegen. Einen Grund dabei dürften auch die schweren Fehler der Cold-Case-Einheit spielen, die das Landgericht Hamburg vergangenes Jahr bei den Ermittlungen zu einem versuchten Mord von vor knapp 39 Jahren festgestellt - und den Angeklagten freigesprochen - hatte.

Eine Belohnung für eine Aussage?

Baack und dessen neu gegründete Cold-Case-Einheit waren zuvor als Hoffnungsträger zur Aufklärung alter ungelöster Kriminalfälle gefeiert worden. Er wurde Ende 2018 abgesetzt, nachdem in dem Prozess herauskam, dass Zeugen womöglich suggestiv befragt oder gar getäuscht worden sein könnten.

Nach diesem Freispruch hatte die Polizei die Vorwürfe prüfen lassen, der Polizeipräsident hatte dazu eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Auch der abgesetzte Chef der Cold-Case-Einheit selbst belastete die Arbeit des Landeskriminalamts schwer.

Die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe zeigten nun, dass das Führungsverhalten des LKA-Chefs insgesamt zu erheblicher Kritik geführt habe, heißt es in dem Schreiben des Polizeipräsidenten.

Bei dem Fall ging es um die versuchte Ermordung und Vergewaltigung einer 16-Jährigen am 1. November 1980. Die Sonderkommission hatte Anfang Februar 2018 einen 54-Jährigen festgenommen, der dann im Oktober 2018 freigesprochen wurde.

In der mündlichen Urteilsbegründung kritisierte das Landgericht unter anderem, die Sonderkommission habe den Hauptbelastungszeugen mit einer Belohnung zur Aussage bewegt, das Opfer habe den Angeklagten nur aufgrund einer suggestiv zusammengestellten Fotoserie mit Bildern mehrerer Männer identifiziert.

apr/dpa



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