Hausverbot nach Betrugsanklage Hamburger Polizei stellt Ex-Chef von Kripogewerkschaft kalt

André Schulz war mal einer der bekanntesten Polizisten Deutschlands. Nach SPIEGEL-Informationen darf er jetzt wegen einer Betrugsanklage nicht einmal mehr zur Arbeit kommen.
Ex-BDK-Chef André Schulz (ganz links): Zwangsurlaub nach Anklage

Ex-BDK-Chef André Schulz (ganz links): Zwangsurlaub nach Anklage

Foto: Martin Schutt/ dpa

Der frühere Chef der Kripo-Gewerkschaft BDK, André Schulz, darf bis auf Weiteres nicht mehr für die Hamburger Polizei arbeiten. Ein Sprecher der Behörde bestätigte dem SPIEGEL, man habe Schulz am 25. Mai die Führung der Dienstgeschäfte vorläufig untersagt. Der Erste Kriminalhauptkommissar war zuletzt an der Polizeiakademie der Hansestadt beschäftigt.

Hintergrund für den Schritt ist demnach ein Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft hatte Schulz im März wegen Betrugs in einem besonders schweren Fall angeklagt. Über die Zulassung muss das Landgericht entscheiden. Wegen der Schwere der mutmaßlichen Verfehlungen, so der Sprecher, habe das Personalamt der Stadt aber nach Erhebung der Anklage den Zwangsurlaub empfohlen.

Kein Zugriff auf die Dienstwaffe

Der 50-Jährige habe seinen Dienstausweis abgeben müssen und dürfe die Diensträume nicht mehr betreten. Auch habe er keinen Zugriff mehr auf seine Dienstwaffe. "Er muss sich einmal im Monat bei der Personalabteilung melden", sagte der Sprecher. Man warte nun den Ausgang des Strafverfahrens ab. Ein Disziplinarverfahren sei bis dahin ausgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schulz vor, er habe als Polizist in Hamburg mehr als 75.000 Euro netto zu Unrecht kassiert. Nach seiner Wahl zum Chef des BDK habe er Ende 2013 eine Halbierung seiner Arbeitszeit beantragt, obwohl er "zu keiner Zeit vorhatte", auf der reduzierten Stelle überhaupt zu arbeiten. Nachdem der Antrag genehmigt war, habe seine frühere Vorgesetzte geduldet, dass Schulz nichts getan hätte für sein Gehalt.

Schulz nannte die Vorwürfe unhaltbar und wies sie stets zurück. Eine aktuelle SPIEGEL-Anfrage ließ er ebenso wie sein Anwalt bisher unbeantwortet. Wegen des Betrugsverfahrens war Schulz vor zwei Jahren vom BDK-Vorsitz zurückgetreten. Während seiner Amtszeit war er als prominente Stimme der Polizei bundesweit bekannt geworden, trat in zahlreichen Talkshows auf ("Maybrit Illner", "Maischberger"). Er twittert weiterhin unter dem Namen "@KripoHH".

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