"Schmerzgriff"-Vorwurf Hamburger Polizei verteidigt Einsatz gegen Blockade bei Klimademo

Sind Polizisten am Rande der Klimademo in Hamburg übertrieben hart gegen demonstrierende Minderjährige vorgegangen? Gegen solche Kritik wehrt sich die Behörde nun - und erhebt ihrerseits Vorwürfe.

Christian Charisius/ DPA

Die Polizei in Hamburg hat sich gegen Kritik an ihrem Vorgehen gegen eine Sitzblockade im Anschluss der Klimademonstration verteidigt. In sozialen Medien war den Beamten unverhältnismäßige Gewalt auch gegen Kinder vorgeworfen worden - unter anderem mittels sogenannter Schmerzgriffe.

Laut Polizei ging "eine erhebliche Anzahl an Beschwerden" ein. Behördensprecher Timo Zill wies diese Vorwürfe zurück: Einsatzkräfte hätten einige Demonstranten unter Anwendung einfacher körperlicher Gewalt von der Fahrbahn gebracht, nachdem diese auf mehrere Aufforderungen und die Androhung unmittelbaren Zwangs nicht reagiert hätten, hieß es in einer Stellungnahme auf Twitter.

"Die Einsatzkräfte haben dies im erforderlichen Maße, ruhig, besonnen und professionell durchgesetzt", so Zill. Die Beamten hätten unter anderem den sogenannten Rückenhaltegriff eingesetzt. Über die Straßenblockade sagte er: "Schade, dass einige wenige versuchen, auf diese Weise den friedlichen Protest für ihre Zwecke zu missbrauchen."

In einem auf Twitter verbreiteten Video ist etwa zu sehen, wie Polizisten nahe der zentral gelegenen Lombartsbrücke einen jungen Mann in einen Spezialgriff nehmen, seinen Kopf zur Seite drehen und ihn wegtragen.

Ein anderes Video zeigt, wie ein Polizist eine Demonstrantin festhält, während ein anderer offenbar schmerzhafte Griffe an ihrer Hand anwendet.

"Eine Klima-Sitzblockade so brutal anzugehen, ist echt das Letzte", twitterte Emily Laquer von der vom Verfassungsschutz beobachteten "Interventionistischen Linken". Andere Nutzer schrieben, dass es sich bei vielen Teilnehmern um Minderjährige gehandelt habe. "Werden Schmerzgriffe bei Kindern eingesetzt?", hieß es in einem Kommentar.

Zur Sitzblockade aufgerufen hatte das Bündnis "Sitzenbleiben!", ein Zusammenschluss aus den Gruppen "Ende Gelände Hamburg", der "Interventionistischen Linken" und anderer Initiativen. Bei der Demonstration von "Fridays for Future" waren zuvor nach Angaben der Polizei etwa 70.000 Menschen friedlich für den Klimaschutz auf die Straße gegangen.

In vielen Ländern hatten am Freitag Millionen Menschen weltweit für mehr Klimaschutz zu protestiert - während Bundeskanzlerin Angela Merkel nach zähen Verhandlungen die geplanten Maßnahmen der Regierung vorstellte.

Die vor allem von Schülern und Studenten getragene Bewegung "Fridays for Future" wurde erstmals im großem Stil von anderen Organisationen und Initiativen unterstützt. Darunter sind unter anderem die Gewerkschaften Verdi und IG Metall, die Evangelische Kirche sowie Kinderschutz-, Umwelt- und Hilfsorganisationen, Künstler sowie Eltern- und Großelternnetzwerke.

mxw/dpa



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