Fotostrecke

Hamburger Schanzenviertel: Straßenfest endet mit Ausschreitungen

Foto: ddp

Hamburg Randalierer wüten im Schanzenviertel

Pflastersteinwerfer, Böllerschüsse, brennende Barrikaden: Das Hamburger Schanzenviertel wurde im Anschluss an ein Stadtteilfest von schweren Krawallen erschüttert. Mehrere Personen wurden festgenommen, zwei Polizisten leicht verletzt. Der S-Bahn-Verkehr musste eingestellt werden.

Hamburg - Im Hamburger Schanzenviertel ist es am Samstagabend zu Zusammenstößen zwischen Randalierern und Polizei gekommen. Gegen 23 Uhr stürmten Dutzende Vermummte auf die Straße und bewarfen eine Sparkasse mit Pflastersteinen. Auch ein Molotowcocktail sei geschmissen worden, etwa zeitgleich wurden die Scheiben eines Supermarktes eingeschlagen. Andere Krawallmacher errichteten mehrere brennende Barrikaden in den Straßen rund um die Sparkasse und bewarfen Autos mit Pflastersteinen.

Die Polizei stoppte die Ausschreitungen mit Räumungsfahrzeugen und löschte die Brände mit Wasserwerfern. Dann drängte sie die Randalierer in eine Seitenstraße ab. Bis nach Mitternacht lieferten sie sich Scharmützel in den Nebenstraßen des Schanzenviertels. Die Krawallmacher bewarfen die Beamten mit Flaschen, die Polizei setzte weiter Wasserwerfer ein.

Schon vor der Eskalation an der Bank hatten Randalierer das Viertel unsicher gemacht. Sie zündeten mehrfach Böller an, kickten Bierflaschen umher und steckten herumliegende Kisten und Kartons in Brand, die Anwohner nach dem nachmittäglichen Straßenfest mit Flohmarkt zurückgelassen hatten. Die Polizei beobachtete die Aktionen, schritt aber zunächst nicht ein.

Stattdessen versuchten beherzte Anwohner immer wieder, die Feuer zu löschen. Unmittelbar vor der Gewalteskalation hatte eine ältere Frau neben der später demolierten Sparkasse ein Feuer gelöscht. Mit einer Eisenstange drosch sie auf die Überreste des Feuers ein und schrie: "Kein Feuer in meinem Viertel." In ihrem Umfeld befanden sich gut ein halbes Dutzend Linksautonome. Während die Frau SPIEGEL ONLINE über den Brand Auskunft gab, wurde sie immer wieder von Personen aus der Gruppe bedrängt.

Insgesamt wurden nach Angaben von Polizei und Bundespolizei bis Mitternacht zwölf Menschen vorläufig festgenommen und sechs in Gewahrsam genommen. Zwei Beamte wurden leicht verletzt, konnten ihren Dienst aber fortsetzen. Zahlen über weitere Verletzte lagen zunächst nicht vor. Zudem wurde der S-Bahn-Verkehr zwischen den Haltestellen Dammtor und Sternschanze auf unbestimmte Zeit eingestellt und der Bahnhof Sternschanze geschlossen, nachdem einzelne Randalierer auf Eisenbahnbrücken geklettert waren.

Zuvor war das Stadtteilfest friedlich verlaufen. Gegen Mitternacht hatte sich die Situation vorerst wieder beruhigt.

Verstärkung aus anderen Bundesländern

Bereits am Freitag hatte sich die Polizei auf mögliche Krawalle vorbereitet. "Aus Erfahrung der vergangenen Jahre rechnen wir damit, dass es zu Ausschreitungen kommen wird", sagte Sprecher Mirko Streiber. Es sei Verstärkung aus anderen Bundesländern sowie von der Bundespolizei angefordert worden. Insgesamt waren rund 2000 Beamte im Einsatz. Bereits vor der Veranstaltung seien 20 Aufenthaltsverbote gegen verurteilte Straftäter der vergangenen Feste ausgesprochen worden. Mit 42 Personen seien Gespräche geführt worden, darunter mit jungen Gewalttätern, die bereits im Zusammenhang mit dem Schanzenfest aufgefallen seien.

In dem Hamburger Stadtteil kommt es jedes Jahr nach dem Stadtfest im Spätsommer zu ritualisierten Gewaltexzessen. 2009 waren dabei mehrere Personen festgenommen worden, Scheiben mehrerer Geschäfte wurden eingeschlagen und die Auslagen geplündert. Auch mehrere Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt. Ähnliche Szenarien spielen sich etwa am 1. Mai ab, bei Krawallen wurden dort in diesem Jahr zahlreiche Polizisten und junge Leute verletzt.

Die Sparkasse, die sich unmittelbar neben dem autonomen Zentrum Rote Flora befindet, verwüsten die Randalierer jedes Mal. In diesem Jahr hielt sich der Schaden allerdings in Grenzen. Die Fensterscheiben waren schon vor einigen Wochen beschädigt worden, und die Bank hatte sie bis Samstag nicht reparieren lassen - schließlich waren Ausschreitungen und ihre Folgen abzusehen.

Mit Material von dpa/apn/ddp/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.