Vater des Verlobten getötet Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafe für 46-Jährige

Eine Frau soll den Vater ihres Verlobten erwürgt, zerstückelt und die Leichenteile vergraben haben. Dafür soll sie nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zehn Jahre ins Gefängnis. Die Verteidigung bezeichnet die Angeklagte als eingeschränkt schuldfähig - und fordert eine geringere Strafe.

Ermittler in Hamburg (Oktober 2012): Urteil gegen mutmaßliche Täterin erwartet
DPA

Ermittler in Hamburg (Oktober 2012): Urteil gegen mutmaßliche Täterin erwartet


Hamburg - Die Staatsanwaltschaft hat vor dem Landgericht Hamburg beantragt, eine Frau wegen Totschlags und Störung der Totenruhe zu zehn Jahren Haft zu verurteilen. Die 46-Jährige soll den Vater ihres Verlobten erwürgt, zerstückelt und die Leichenteile vergraben haben. Die Verteidigung hält dagegen fünf Jahre Haft für angemessen - wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Die Angeklagte hatte vor Gericht gestanden, den 85-Jährigen nach einem Streit an der Geschirrspülmaschine mit einem Judogriff erwürgt und dann die Leiche zerteilt zu haben. Die Körperteile habe sie gemeinsam mit ihrem Verlobten im Hamburger Naturschutzgebiet Höltigbaum vergraben. Sie habe den alten Mann nicht töten wollen. Unter Tränen sagte die 46-Jährige, sie hoffe, die Angehörigen könnten ihr eines Tages vergeben.

Etwa ein Jahr vor der Tat waren die Angeklagte und ihr Verlobter in das Haus seiner Eltern in Hamburg-Rahlstedt gezogen. Dort soll eine vergiftete Atmosphäre geherrscht haben, immer wieder kam es nach Angaben von Zeugen zu Auseinandersetzungen. Am Tattag im September 2012 soll der 85-Jährige die Freundin seines Sohnes erstmals geschubst und damit auch körperlich angegriffen haben.

Nach dem Streit sei sie dem Mann nachgeeilt, sagte die Staatsanwältin - "mit dem Ziel, ihm einen Denkzettel zu verpassen". Bei einem Überraschungsangriff auf der Treppe habe die betrunkene Frau den 85-Jährigen mit einem Kreuzwürgegriff getötet: "Sie zog bewusst voll durch." Einen Tag später - ihr Verlobter unterbrach extra eine Drogentherapie - habe sie die Leiche mit einem scharfen Messer zerteilt.

Die Verteidigung betonte, die bisherigen Lebenserfahrungen der Angeklagten hätten zu einer schweren Traumatisierung geführt und sie besonders verletzlich gemacht: "Sie hat Gewalt am ganzen Leib erfahren, und das hat sie nachhaltig geprägt." Die "fortgesetzten Kränkungen" des nörgelnden 85-Jährigen und der körperliche Angriff hätten bei ihr schließlich das Fass zum Überlaufen gebracht. Nach Ansicht der Verteidigerin war ihre Mandantin zum Tatzeitpunkt nur eingeschränkt schuldfähig.

Das Urteil soll am 2. September gesprochen werden.

ulz/dpa



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