Hamburg Teenager auf Feldweg verbrannt

Es war ein grausiger Fund: Auf einer Art Scheiterhaufen aus Decken und Tapeten ist in Hamburg die verkohlte Leiche eines 17-Jährigen entdeckt worden. Seine Arme waren auf dem Rücken verschränkt - als sei er gefesselt worden.

Von


Hamburg - Jörg B. ist ein kräftiger Mann mit kurzen, braunen Haaren und kantigem Kinn. Der Mitarbeiter der Stadtentwässerung, er trägt eine blaue Latzhose und eine schwarze Steppjacke, sieht nicht so aus, als sei er leicht zu erschüttern. Doch als er am Mittwochnachmittag den Reportern gegenübertritt, ist er blass und wirkt verstört.

B. hat eben auf einem Feldweg im Hamburger Stadtteil Billwerder die verkohlte Leiche eines Mannes entdeckt. Der Körper lag bäuchlings, die Hände auf dem Rücken verschränkt, auf einer Art Scheiterhaufen aus Decken und Tapetenresten. "Ich dachte erst, dass es eine Schaufensterpuppe ist", berichtete B. den Journalisten. Aber als er genauer hingeschaut habe, sei ihm Blut aufgefallen. "Es war schrecklich." Mit seinem Handy rief B. die Polizei.

Vermutungen, die Arme des Toten seien gefesselt gewesen, konnten die Ermittler auf Nachfrage nicht bestätigen. "Wir haben dazu derzeit keine Hinweise", sagte Polizeisprecher Ralf Kunz SPIEGEL ONLINE. Jedoch sei das Opfer in der Zwischenzeit aufgrund einer Vermisstenanzeige identifiziert worden.

Kunz Angaben zufolge handelt es sich um einen 17-Jährigen aus Billstedt, der von seiner Mutter am Dienstagnachmittag gegen 17.30 Uhr zuletzt gesehen und am Mittwoch gegen 18 Uhr als vermisst gemeldet worden war. Der Jugendliche sei der Polizei in der Vergangenheit wegen kleinerer Delikte aufgefallen. "Nichts Gravierendes", so Kunz.

"Bislang können wir nicht sagen, ob es sich um ein Tötungsdelikt handelt. Wir behandeln den Fall so, aber es könnte auch ein Selbstmord vorliegen", sagte Kunz. Noch stehe die Todesursache nicht fest. Die Leiche des Teenagers soll nun im Institut für Rechtsmedizin untersucht werden. Kriminaltechniker stellten jedoch bereits fest, dass der Körper mit Brandbeschleuniger angezündet wurde. Die Mordkommission ermittelt.

Unklar ist bislang noch, ob der 17-Jährige in der Stichstraße an der Autobahn 1 verstarb oder ob sein toter Körper dort hingebracht wurde. Wenige Meter neben dem Fundort sind unlängst die Leitplanken der Autobahn wegen Bauarbeiten abgeschraubt worden. "Wir stehen noch ziemlich am Anfang", so Kunz.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.