Hamburg Terror-Großfahndung ergebnislos abgebrochen

Rund tausend Polizisten fahndeten in Hamburg bis in die frühen Morgenstunden nach drei Terrorverdächtigen - ohne Ergebnis. Die Polizei hat Fotos einer Überwachungskamera veröffentlicht. Erste Hinweise sind bereits eingegangen.


Polizeikontrolle in Hamburg: Hunderte Beamte im Einsatz
DPA

Polizeikontrolle in Hamburg: Hunderte Beamte im Einsatz

Hamburg - Die Kamera nahm die Verdächtigen - einer der drei mit einem Rucksack - in einem Linienbus auf, mit dem sie bis zu einer Haltestelle im Stadtteil Bahrenfeld fuhren. Mit Hilfe der Bilder soll nun weiter nach den Männern gefahndet werden. Rund 25 Hinweise sind bereits bei der Polizei eingegangen, eine heiße Spur sei bislang nicht darunter. Die Fahnder hoffen deswegen weiter auf die Mithilfe der Hamburger. "Im Laufe des Freitags rechnen wir mit vielen Hinweisen", sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Innenbehörde am Morgen.

In der Nacht war ein Großeinsatz mit tausend Polizisten ohne Festnahmen beendet worden. Einen konkreten Hinweis auf einen geplanten Anschlag gibt es laut Innensenator Udo Nagel (parteilos) nicht. "Die Bürger der Hansestadt können sich ohne Angst bewegen und am Freitag ohne Furcht mit U-Bahn, S-Bahn und Bus zur Arbeit fahren", sagte er.

Bereits am Mittwochabend hatte ein Zeuge gehört, wie die drei Männer vor dem S-Bahnhof Holstenstraße in Hamburg-St. Pauli in arabischer Sprache unter anderem über Heldentum "vor Allah" sprachen. Bei den "Sprachfetzen", die der Mann verstanden habe, sei laut Polizeipräsident Werner Jantosch auch der Satz gefallen: "Wir werden morgen als Held vor Allah stehen."

Gestern Abend hatte die Polizei an zwölf Kontrollstellen im Hamburger Stadtgebiet Autos angehalten und überprüft. Dabei kam es über mehrere Stunden zu Verkehrsbehinderungen.

Aufnahmen einer Überwachungskamera: Verdächtige Gespräche im Bus?
DPA

Aufnahmen einer Überwachungskamera: Verdächtige Gespräche im Bus?

Den Zeugen bezeichnete Jantosch als "glaubwürdig". Ob seine Angaben einen "realen Hintergrund" hätten, wisse man aber noch nicht - "erst wenn wir die Männer haben und befragen können". Peter Born vom Staatsschutz des Hamburger Landeskriminalamtes sagte, die Staatsanwaltschaft prüfe die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffdeliktes. Es gebe keine Garantie, dass es wirklich um eine terroristische Planung gehe. Möglicherweise seien die mitgehörten Worte vom Zeugen "falsch interpretiert" worden, und die Gesuchten meldeten sich selbst bei der Polizei.

Innensenator Nagel sagte, noch vor zwei Jahren hätte es eine derart umfangreiche Fahndung in Hamburg nach einem solchen Hinweis nicht geben, "aber nach den Anschlägen von London ist das etwas anderes". Es gebe allerdings keinen verstärkten Objektschutz in der Stadt, auch nicht vor dem US-Generalkonsulat.

Zum Jahreswechsel 2003/2004 hatten Hinweise auf einen möglichen Terroranschlag gegen das Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg-Wandsbek für Aufregung gesorgt. Der damalige Innensenator Dirk Nockemann (Partei Rechtsstaatlicher Offensive) ließ das Klinikgelände nach Sprengstoff durchsuchen und die Zufahrtstraßen zu dem Krankenhaus sperren. Beschäftigte, Besucher und Anwohner wurden für die Dauer von rund zwei Wochen an Kontrollstellen überprüft.



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