Gewalttat an Hamburger Schule Tödliche Messerattacke in der Pause

An einer Hamburger Schule hat ein Jugendlicher einen Mitschüler erstochen. Die Hintergründe der Tat liegen im Dunkeln. Den Ermittler zufolge kam es zwischen den beiden afghanischen Flüchtlingen in der Pause zum Streit.


Um kurz nach 11 Uhr gingen die Notrufe von Schülern und Lehrern der Nelson-Mandela-Stadtteilschule in Hamburg-Wilhelmsburg ein. Ein 17-Jähriger sei von einem Mitschüler mit einem Messer verletzt worden, teilte die Polizei mit. Der junge Mann sei noch im provisorischen Klassenzimmer, einem Container auf dem Schulgelände, gestorben.

Die Hintergründe der Tat liegen im Dunkeln. Beide Jugendliche stammen aus Afghanistan und besuchten einen Deutsch-Vorbereitungskurs, der sie fit für den Unterricht in der Stadtteilschule machen sollte. Ein Sprecher der Hamburger Sozialbehörde sagte SPIEGEL ONLINE, die Jugendlichen seien als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gemeldet.

Ursprünglich hatte die Polizei mitgeteilt, der mutmaßliche Angreifer habe den Unterrichtsraum des Opfers gestürmt. Nachdem die Polizei jedoch den ganzen Tag über Zeugen vernommen hatte, erklärten die Ermittler, das spätere Opfer sei in der Pause in den Klassenraum des Mitschülers gegangen. Es habe einen kurzen Dialog, wohl einen Streit, gegeben. Dann habe der mutmaßliche Täter plötzlich ein Küchenmesser gezogen und auf seinen Landsmann eingestochen.

Während die etwa 15 Mitschüler flüchteten, wartete der mutmaßliche Angreifer den Ermittlern zufolge im Klassenzimmer bei dem Schwerverletzten. Als die Polizei eintraf und ihn festnahm, leistete er keinen Widerstand.

"Ein Schatten auf unserer Stadt"

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war der Verdächtige in einer Betreuungseinrichtung der Hamburger Kinder- und Jugendhilfe untergebracht. Dort heißt es, der junge Mann sei bislang nicht aufgefallen. Seine Eltern hätten ihn aus Afghanistan nach Deutschland geschickt, er habe beflissen für eine Ausbildung und ein besseres Leben gearbeitet. Es habe keine Konflikte gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg und die Mordkommission im Landeskriminalamt ermitteln. Laut Polizei und Jugendhilfe gibt es keine Hinweise darauf, dass der Vorfall mit einem Brand einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Hammerbrook in Verbindung steht.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich von dem tragischen Tod des 17-Jährigen betroffen. "Ein Schatten ist auf unsere Stadt gefallen", sagte der Regierungschef bei einem Besuch der Schule. "Wir stehen erschüttert vor einer Gewalttat, die uns fassungslos macht."

gam/sms/dpa



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