Hamburg Überraschendes Geständnis im Piratenprozess

Im Hamburger Piratenprozess hat einer der zehn somalischen Angeklagten ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 29-Jährige lieferte neue Details und belastete seine Mitangeklagten schwer.

Hamburg - Nach 15 Monaten Verhandlungsdauer im Hamburger Piratenprozess hat einer der zehn angeklagten Somalier umfassend gestanden und seine Mitbeschuldigten der Lüge bezichtigt.

Viele der mutmaßlichen Piraten hatten erklärt, sie seien zu dem Überfall auf den Hamburger Frachter "Taipan" gezwungen worden. Dies bestritt nun der Angeklagte in seinem Geständnis vehement. "Alle wollten an dem Angriff teilnehmen", sagte der 29-Jährige am 78. Tag der Hauptverhandlung im Landgericht. "Hier wurden jeden Tag Märchen erzählt."

Laut Aussage des Mannes hat es beim Angriff auf den Containerfrachter "Taipan" einer Hamburger Reederei im April 2010 eine klare Rollenverteilung gegeben. "Wir wurden angestellt, jeder kannte seine Aufgabe." Zur Aufteilung eines Lösegeldes und zum Umgang mit Geiseln seien vor der Kaperfahrt präzise Absprachen getroffen und in Verträgen festgeschrieben worden. Er selbst sei als Dolmetscher angeheuert worden, um mit der Besatzung zu sprechen. Seine Komplizen hätten von den Hintermännern des Überfalls Kalaschnikow-Sturmgewehre und Panzerfäuste erhalten.

Es sei klar geregelt worden, wer welche Aufgabe hat und wie das erhoffte Lösegeld aufgeteilt werden sollte. "Jeder hat unterschrieben."

Die mutmaßlichen Seeräuber sollen das Hamburger Frachtschiff "Taipan" an Ostern 2010 vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Ein niederländisches Marinekommando hatte die 15-köpfige Besatzung später befreit. Die zehn Angeklagten waren nach dem Überfall mehr als 530 Seemeilen (rund 980 Kilometer) vor dem somalischen Festland an Bord des Containerfrachters von einem niederländischen Marinekommando festgenommen worden. Später wurden sie an die deutsche Justiz übergeben.

Seit November 2010 müssen sich die Somalier vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer insgesamt 81 Jahre Haft für die Männer gefordert, allerdings wurde nach den Plädoyers die Beweisaufnahme wieder eröffnet. Es ist das erste Mal, dass mutmaßliche Seeräuber aus Somalia vor einem deutschen Gericht stehen.

ala/dpa/dapd
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