Verfolgungsjagd mit Auto Polizei prüft umstrittenen Einsatz in Hamburger Park

Mehrere Beamte fuhren einem Jugendlichen in einem Hamburger Park hinterher – weil er Corona-Regeln missachtet hatte und dann getürmt war. Der Fall wirft Fragen auf, die Polizei verweist auf eine Vorgeschichte.
Jenischpark in Hamburg: »Da werden Parkbänke herausgerissen, Scheiben eingeworfen, Mülleimer umgeworfen«

Jenischpark in Hamburg: »Da werden Parkbänke herausgerissen, Scheiben eingeworfen, Mülleimer umgeworfen«

Foto: imago images

Nach einem offenkundig ziemlich rabiaten Einsatz gegen einen Jugendlichen in einem Park prüft die Hamburger Polizei den Fall. »Das wird derzeit bewertet«, sagte Behördensprecher Holger Vehren.

Am Montag hatten Einsatzkräfte im Stadtteil Othmarschen einen jungen Mann zu Fuß und mit einem Auto verfolgt, wie ein in sozialen Medien verbreitetes Video zeigt. Insbesondere die aggressiv wirkende Fahrweise des Beamten am Steuer des Wagens löste empörte Reaktionen aus.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Vehren bestätigte den Vorfall im Jenischpark an der Elbe grundsätzlich, wies jedoch zugleich auf die Vorgeschichte und die besonderen Umstände des Falls hin. In dem Park träfen sich seit Wochen Jugendliche zu »partymäßigen Veranstaltungen«, die jungen Leuten konsumierten dabei viel Alkohol und hielten sich kaum an die Corona-Schutzmaßnahmen.

»Wir sind dort regelmäßig im Park, das ist ein Schwerpunktort geworden«, sagte Vehren. »Da werden Parkbänke herausgerissen, Scheiben eingeworfen, Mülleimer umgeworfen.« Da sich regelmäßig Anwohner über Lärm und Sachbeschädigungen beschwerten, sei die Polizei dort immer wieder vor Ort.

Bei dem fraglichen Einsatz am Montag hatte sich ein Jugendlicher demzufolge provokativ den Regeln widersetzt, in dem er »ganz bewusst Leute umarmt und abgeklatscht hat«, weshalb er von der Polizei angesprochen worden sei. Der Teenager habe jedoch plötzlich Reißaus genommen, woraufhin die Beamten die Verfolgung aufnahmen. »Es war keine Option für uns, ihn laufen zu lassen«, sagte Vehren. Dass man in solchen Fällen auch ein zur Verfügung stehendes Auto einsetzt, sei normal.

»Wir schauen, ob die Art und Weise des Einsatzes so angemessen war.«

Polizeisprecher Holger Vehren

Auf dem Video von der Verfolgungsjagd sieht es so als, als komme das Auto mehreren Personen, darunter auch laufenden Polizisten, bedrohlich nahe. »Wir schauen schon, ob die Art und Weise des Einsatzes so angemessen und richtig war«, sagte Vehren dazu. Es gebe die Vermutung, dass Menschen gefährdet worden seien, dies werde nun in Ruhe ausgewertet.

Der Fall werfe einmal mehr die Frage auf, so Vehren, wie mit Corona-Sündern in solchen Fällen umzugehen sei. Sobald Uniformierte auftauchten, verstreuten sich die Jugendlichen. Allein am Montag hätten die Einsatzkräfte im Jenischpark 14 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten erstattet und ebenso viele Platzverweise erteilt. Weitere 28 Menschen seien überprüft worden.

Bei dem Einsatz wurde der flüchtige Jugendliche schließlich gefasst. Er erhielt eine Ordnungswidrigkeitenanzeige und muss nun 150 Euro bezahlen. Das Auto wurde bei dem Einsatz beschädigt, als es durch eine Kuhle fuhr. Die Höhe des Sachschadens ist laut Vehren noch nicht bekannt, der Wagen befinde sich noch in der Reparatur.

mxw