Messerangriff auf Mädchen Mordversuch vor 38 Jahren - Angeklagter freigesprochen

Im Prozess um einen Mordversuch aus dem Jahr 1980 hat das Hamburger Landgericht einen 54-Jährigen freigesprochen. Die Richterin machte den Ermittlern schwere Vorwürfe: Sie haben womöglich einen Zeugen getäuscht.
Der Freigesprochene vor Gericht

Der Freigesprochene vor Gericht

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

In Hamburg ist ein 54-Jähriger vom Verdacht des versuchten Mordes an einem Mädchen freigesprochen worden. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Mann nicht schuldig sei, sagte die Vorsitzende der Strafkammer, Anne Meier-Göring. Ermittler hatten den Angeklagten für eine Tat verantwortlich gemacht, die fast 38 Jahre zurückliegt.

Anfang November 1980 war nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine damals 16-Jährige angegriffen worden. Der Täter habe mit einem Jagdmesser auf das Mädchen eingestochen. Als er die Jugendliche für tot hielt, soll er versucht haben, sie zu vergewaltigen. Als Passanten hinzukamen, ergriff er die Flucht. Das Mädchen überlebte dank einer Notoperation.

Richterin Meier-Göring sagte bei der Urteilsverkündung, die Indizien hätten für einen Schuldnachweis nicht ausgereicht. Sie warf der Hamburger Polizei schwere Ermittlungsfehler vor. Es gebe Anhaltspunkte, dass die Soko "Cold Cases" einen Zeugen getäuscht und mit einer Belohnung zu einer Aussage bewegt habe.

Der Fall galt als ein großer Erfolg der Einheit. Anfang Februar nahm ein Spezialkommando der Polizei in Hamburg den Verdächtigen fest, der schließlich angeklagt wurde. Im Prozess forderten Staatsanwaltschaft und Verteidigung einen Freispruch für den 54-Jährigen . Die Indizien reichten ihrer Meinung nach nicht für eine Verurteilung aus.

Der Mann saß viereinhalb Monate lang in Untersuchungshaft, dafür bekommt er laut einem Gerichtssprecher eine Entschädigung von 25 Euro pro Tag. Für Schäden bei der Durchsuchung seiner Wohnung könne er ebenfalls Kompensation beantragen. Ende Juni kam der Mann unter Auflagen frei.

Im Video: Juristische Fehlurteile - Wer kontrolliert die Justiz?

SPIEGEL TV
jpz/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.