Hameln-Opfer belastet Ehemann "Frauen müssen für ihn Sklavinnen sein"

Erst gestand der 39-jährige Täter, wie er seine Ex-Partnerin mit dem Auto durch Hameln geschleift hatte, nun hat im Prozess auch das Opfer ausgesagt. "Sobald wir verheiratet waren, fing der Horror an."

Der Angeklagte im Gerichtssaal
DPA

Der Angeklagte im Gerichtssaal


Im Strafprozess gegen Nurettin B. hat das hinter einem Auto durch die niedersächsische Stadt Hameln geschleifte Opfer von der Beziehung zu dem 39-Jährigen berichtet. An den Tattag könne sie sich nicht erinnern, sagte die 28-jährige Kader K. vor dem Landgericht Hannover. Auch sonst hat sie Erinnerungslücken. Die junge Frau lag tagelang im künstlichen Koma und war erst im März aus einer Rehabilitationsklinik entlassen worden. Ein Messerstich hatte ihren Herzmuskel gestreift, zudem erlitt sie unter anderem eine offene Schädelfraktur.

Der wegen versuchten Mordes angeklagte Nurettin B. gab im Prozess zu, die Frau damals zunächst mit Messerstichen verletzt zu haben. Auch mit der stumpfen Seite einer Axt schlug der Deutschkurde laut Anklage auf die Frau ein, bevor er sie mit einem Seil ans Auto band und 250 Meter weit bei hohem Tempo über die Straße geschleift haben soll. Die Frau wurde wie eine Puppe vor einen Imbiss geschleudert.

Vor der Heirat nach islamischem Recht, weil er noch mit einer anderen Frau verheiratet war, habe er ihr versprochen, ihr die Welt zu Füßen zu legen, berichtete Kader K.. "Ich dachte mir, er ist ein vernünftiger Mensch. Sobald wir verheiratet waren, fing der Horror an." Im Dorf Eimbeckhausen bei Bad Münder habe er sie angespuckt, beleidigt und geschlagen, sie durfte demnach kein Handy besitzen und keine Verwandten besuchen.

Kader K. schildert Leiden ihres dreijährigen Sohns

"Ich bin kein Sklave", habe sie ihm gesagt. 2014 floh sie mit dem Kleinkind zu ihrer Mutter. Es entbrannte Streit um Unterhalt, um zur Hochzeit geschenkten Goldschmuck, den er wieder einkassierte, sowie um das Sorgerecht für den Sohn. Schon im August habe er ihr gedroht, "deine Tage sind gezählt". Das Ganze kam vor Gericht, beide durften sich nach einem Vergleich einander nur noch auf 20 Meter nähern - außer zur Übergabe des Jungen, der jedes zweite Wochenende seinen Vater sehen durfte.

"Frauen müssen für ihn Sklavinnen sein. Frauen, die rauchen, sind Huren", sagte Kader K. über den Angeklagten, den sie bei einer Demonstration von Kurden kennengelernt hatte. Als der Mann im November den damals Zweijährigen zurückgebracht hatte, kam es auf der Straße zu der Eskalation.

Das Kind saß während der Fahrt im Auto, mehrere Anwohner sollen den Gewaltexzess aus dem Fenster beobachtet haben. Das genaue Motiv für die Gewalttat ist unklar. "Ich war's! Ich war's", hatte der Angeklagte der Polizei kurz nach der Tat gesagt. Das Fass sei übergelaufen, er habe damals unter Druck gestanden.

Der heute Dreijährige leidet laut Aussage der Mutter noch immer massiv unter der Tat. Er wache morgens um vier oder fünf Uhr auf und rufe: "Er ist da!" In der Straße, in der es passiert ist, habe der Junge gesagt: "Mama, bring du auch einen Stock. Wir hauen ihn zusammen."

Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt. Bereits am 31. Mai könnte ein Urteil fallen.

apr/dpa

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