Hameln-Prozess Angeklagter bietet Opfer Schmerzensgeld an

Der wegen versuchten Mordes angeklagte Nurettin B. hat im Prozess vor dem Landgericht Hannover seiner Ex-Frau ein Schmerzensgeld angeboten. Er hatte gestanden, die 28-Jährige aus Hass an sein Auto gebunden und hinter sich hergeschleift zu haben.

Der Angeklagte mit seinen beiden Verteidigern im Landgericht in Hannover
DPA

Der Angeklagte mit seinen beiden Verteidigern im Landgericht in Hannover


Im Prozess um die Gewalttat von Hameln hat der Angeklagte Nurettin B. seiner Ex-Frau 100.000 Euro Schmerzensgeld angeboten. Dies ließ der 39-Jährige im Landgericht Hannover über seinen Anwalt mitteilen.

Der Mann hatte die 28-jährige Kader K. im November mit Faustschlägen, Messer- und Axthieben traktiert, mit einem Strick um den Hals an sein Auto gebunden und hinter sich hergeschleift. Nach etwa 200 Metern löste sich das Seil, das Opfer überlebte schwer verletzt.

Der Mann ist vor dem Landgericht Hannover wegen versuchten Mordes angeklagt. Die Tat hatte er zum Prozessauftakt gestanden. Er habe die 28-Jährige auf grausame Weise töten wollen. Während der Tat saß der damals knapp dreijährige Sohn der beiden im Auto. Hintergrund des Gewaltexzesses war ein Streit um Unterhaltszahlungen.

Die Frau fordert ein Schmerzensgeld von 250.000 Euro. Die Sitzung wurde am Vormittag für Verhandlungen über das Schmerzensgeldangebot unterbrochen. Die Plädoyers und das Urteil sollen folgen.

Die Frau, die physisch und psychisch unter den Folgen des Verbrechens leidet, tritt als Nebenklägerin auf. Während des Prozesses wurde auch der kleine Sohn als Nebenkläger zugelassen.

Nach Einschätzung des psychiatrischen Gutachters ist der Angeklagte zwar psychisch gestört, aber voll schuldfähig. Der komplexe Tatablauf spreche gegen eine Affekttat, sagte der Sachverständige. In dem von seinem Verteidiger verlesenen Geständnis hatte der 39-Jährige angegeben, die Tat nicht geplant zu haben. Seile und Axt habe er wegen Gartenarbeiten stets im Auto dabeigehabt.

Der Angeklagte hat wie das Opfer kurdische Wurzeln. Das Paar hatte 2013 nach islamischem Recht geheiratet. Nach Schilderung der Frau begannen die Misshandlungen, als sie zu dem Mann nach Eimbeckhausen bei Bad Münder zog. Im Frühjahr 2014 trennte sie sich von ihm.

Der brutale Mordversuch hatte im vergangenen Jahr bundesweit Bestürzung ausgelöst. In der Kleinstadt Hameln versammelten sich kurz danach Hunderte Menschen zu einer Mahnwache.

ala/dpa



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