Täter von Hanau Generalbundesanwalt spricht von "zutiefst rassistischer Gesinnung"

Dem Generalbundesanwalt liegen "gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund" des Hanauer Attentats vor. Derzeit prüfen Ermittler, ob der Täter Mitwisser oder Unterstützer hatte.
Ermittlungen nach der Tat in Hanau

Ermittlungen nach der Tat in Hanau

Foto:

Patrick Scheiber/ imago images

Tobias R., der Attentäter von Hanau, hat im Internet Videobotschaften veröffentlicht, die laut dem Generalbundesanwalt Peter Frank "neben wirren Gedanken und abstrusen Verschwörungstheorien" eine "zutiefst rassistische Gesinnung aufweisen". Das sagte er in Karlsruhe.

Die Bundesanwaltschaft prüfe nun, ob der Täter Mitwisser oder Unterstützer hatte. Dafür werde man Kontakte des Mannes im In- und Ausland überprüfen. Bislang gebe es keine Erkenntnisse zu etwaigen Vorstrafen oder Ermittlungsverfahren mit politischem Bezug gegen R. Hessens Innenminister Peter Beuth hatte zuvor gesagt, der Mann habe wohl allein gehandelt. "Bislang liegen keine Hinweise auf weitere Täter vor."

Beuth (CDU) hatte am Morgen mitgeteilt, der Generalbundesanwalt ermittle wegen des Verdachts einer terroristischen Gewalttat - Frank selbst sprach später nicht davon. Nach einer Telefonschalte der Innenminister von Bund und Ländern sagte der bayerische Ressortchef Joachim Herrmann (CSU), man gehe davon aus, "dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund handelt".

Auswertung von Videos und Dokumenten

"Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen der Opfer, den Verletzten wünsche ich vollständige Genesung", sagte Frank. Die Tatnacht werde noch lange in Erinnerung bleiben und "unsere weitere Arbeit stark prägen". Das Bundeskriminalamt wurde mit den weiteren Ermittlungen beauftragt, hieß es vom Generalbundesanwalt . Die Ermittler werten demnach Videos und Dokumente aus, die augenscheinlich von Tobias R. stammen. Zudem würden die Tatwaffe oder die Tatwaffen kriminaltechnisch untersucht.

R. kommt laut den Behörden aus Hanau. Er hatte am Mittwochabend in und vor einer Shishabar sowie an einem Kiosk neun Menschen erschossen. Die ersten Schüsse fielen den Ermittlern zufolge gegen 22 Uhr am Heumarkt in der Innenstadt. Wenig später fielen auch im etwa zwei Kilometer entfernten Stadtteil Kesselstadt Schüsse. Laut Frank hatten die getöteten Personen einen Migrationshintergrund. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden, einer davon schwer. Die Todesopfer sind laut Generalbundesanwalt zwischen 21 und 44 Jahren alt. Unter ihnen seien sowohl ausländische als auch deutsche Staatsangehörige.

Kurze Zeit später seien der 43-jährige Täter und seine Mutter augenscheinlich ebenfalls erschossen in einer Wohnung gefunden worden, neben dem Mann habe eine Schusswaffe gelegen. Der Sportschütze habe legal Waffen besessen, sagte Beuth. (Lesen Sie hier, was über die Tat bekannt ist.) Der Vater des Täters blieb äußerlich unverletzt. Er wurde nach SPIEGEL-Informationen vor Ort vorläufig festgenommen, um ihn standardmäßig zu befragen. 

"Rassismus ist ein Gift"

Zahlreiche deutsche und internationale Politiker reagierten entsetzt auf den Anschlag. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte einen geplanten Besuch in Sachsen-Anhalt ab. Auf einer Pressekonferenz sagte sie: "Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift." Horst Seehofer (CSU) kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland zu verstärken. Der Innenausschuss im Bundestag plant für den kommenden Donnerstag eine Sondersitzung.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußert "große Trauer" angesichts der Tat. Er sei in Gedanken bei den Opfern und den trauernden Familien, schrieb er. "Ich stehe an der Seite von Kanzlerin Merkel in diesem Kampf für unsere Werte und den Schutz unserer Demokratien." (Im Liveblog können Sie alle aktuellen Entwicklungen und Reaktionen verfolgen).

bbr/lmd/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.