Hanau Sektenführerin wegen Kindsmordes von 1988 angeklagt

1988 starb in Hanau ein vier Jahre alter Junge. Inzwischen geht die Staatsanwaltschaft in dem Fall von einem grausamen Verbrechen aus, das damals nicht erkannt wurde.


Im Fall eines vor fast 30 Jahren im hessischen Hanau gestorbenen kleinen Jungen hat die Staatsanwaltschaft eine selbsternannte Sektenführerin wegen Mordes angeklagt. Die Behörde wirft der Frau vor, das in einem Leinensack eingeschnürte panische vierjährige Kind im August 1988 seinem Schicksal überlassen zu haben, sodass es in dem Sack starb.

Der Hanauer Staatsanwaltschaft zufolge war die Frau die Anführerin einer sektenähnlichen Gemeinschaft, die bis heute existiert und die sie immer noch leitet. Der Junge sei ihr damals von seiner Mutter in Obhut gegeben worden. Laut Anklage bezeichnete sie das Kind damals als "Reinkarnation Hitlers". Außerdem war sie der Meinung, es sei von "den Dunklen besessen".

Die Staatsanwaltschaft geht von einer grausamen Tat aus niederen Beweggründen aus. Über die Eröffnung eines Prozesses gegen die Frau muss das Hanauer Landgericht entscheiden.

Am Mittwoch hatte zuerst die "Frankfurter Rundschau" über die Anklage und den Fall berichtet. Demnach weist der Anwalt der Beschuldigten die Vorwürfe zurück. Er verweist darauf, dass die ursprünglichen Ermittlungen zum Tod des Jungen 1988 eingestellt wurden, weil es keine Hinweise auf Fremdverschulden gegeben habe.

Laut der Zeitung hatten Zeugenaussagen den alten Fall 2015 wieder aufleben lassen. Die Staatsanwaltschaft nahm neue Ermittlungen auf und ließ unter anderem den Leichnam des Jungen exhumieren.

wit/AFP



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