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Neues Gutachten zu Hanau-Attentäter Psychisch krank – und ein Rassist

Im Februar ermordete ein 43-Jähriger in Hanau neun Menschen mit Migrationshintergrund. Nach SPIEGEL-Informationen attestiert ihm nun ein Gutachten, dass er an Schizophrenie litt – gepaart mit einer »rechtsradikalen Ideologie«.
aus DER SPIEGEL 49/2020
Polizisten an einem der Tatorte in Hanau (Archiv).

Polizisten an einem der Tatorte in Hanau (Archiv).

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Der Attentäter von Hanau litt an einer psychischen Erkrankung, die sich auf fatale Weise mit Rassenwahn vermischt hatte. Das geht nach Informationen des SPIEGEL aus einem neuen Gutachten hervor, welches der forensische Psychiater Henning Saß im Auftrag der Bundesanwaltschaft erstellt hat.

Laut der rund 140 Seiten langen Expertise sieht der Gutachter bei dem 43-jährigen Täter klare Anzeichen für eine paranoide Schizophrenie. Auf die Geistesstörung sei jedoch eine »rechtsradikale Ideologie« aufgesetzt gewesen, die »fremdenfeindliche, rassistische und völkische Elemente« enthalten habe.

Der Sachverständige Saß beschreibt die Gedankenwelt des Täters als »eigentümliche Amalgamierung«, bei der »krankheitsbedingte Fantasien« und »politisch-ideologischer Fanatismus« untrennbar verwoben gewesen seien.

Der Attentäter von Hanau hatte am 19. Februar neun Menschen in und vor Bars und einem Kiosk ermordet. Alle Opfer hatten einen Migrationshintergrund. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst.

»Krankhaft verformte Weltsicht«

Bei der posthum erstellten Analyse wertete der Gutachter unter anderem Pamphlete und Videos aus, die der Attentäter hinterlassen hatte. Dieser sah sich seit Jahren als Opfer einer groß angelegten Verschwörung. Zu den Wahnvorstellungen kamen dem Gutachten zufolge zunehmend ausgeprägter Rassismus und »Fantasien über die Auslöschung ganzer Völker und Kulturen«.

Saß kommt zu dem Schluss, dass der Attentäter massiv in seiner Fähigkeit eingeschränkt war, »sich reflektierend mit der eigenen krankhaft verformten Weltsicht« auseinanderzusetzen. Trotz eingeschränkter Steuerungsfähigkeit habe er die rassistischen Morde »planvoll« vorbereitet.

Nach dem Attentat von Hanau hatte die Bundesregierung einen Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus eingesetzt. Ihm gehörten unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) an.

DER SPIEGEL 49/2020
Foto:

Andy Cantillon / eyevine / INTERTOPICS

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