Mordverdacht Kinderleiche in Hanau nach 29 Jahren exhumiert

Im hessischen Hanau ist das Grab eines Vierjährigen geöffnet worden. Der Junge starb bereits 1988 - und wurde möglicherweise Opfer eines Verbrechens, das damals nicht erkannt wurde.


Fast drei Jahrzehnte nach dem Tod eines Kleinkindes in Hanau in Hessen gehen die Ermittler einem schrecklichen Verdacht nach: Sie vermuten, dass der Junge am 17. August 1988 ermordet wurde und nicht - wie damals angenommen - ohne Fremdeinwirkung starb. Wie die Staatsanwaltschaft Hanau bestätigte, wurde das Grab des Kindes geöffnet. Es seien sterbliche Überreste entnommen und in die Gerichtsmedizin nach Frankfurt gebracht worden. Davon erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf die Todesursache.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Paar, das in den achtziger Jahren Pflegekinder aufgenommen haben soll. Der als Pastor tätige Mann sollte wegen radikaler Ansichten aus dem Kirchendienst entlassen werden, kam diesem Schritt aber zuvor, indem er auf eigenen Wunsch ausschied. Das Paar soll eine Sekte gegründet haben. Ein Ermittler sagte der "Bild"-Zeitung, dass bei dem Paar kaum zu ertragende Zustände geherrscht hätten. Der Junge soll extrem unterernährt gewesen und misshandelt worden sein. Daran sei er gestorben.

Die Exhumierung der Kinderleiche war den Ermittlern zufolge aufwendig, weil über dem Jungen in der Zwischenzeit ein anderes Kind bestattet worden war. Dieser Leichnam sei mit Einverständnis der Eltern bewegt worden, berichtete die Staatsanwaltschaft.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Hessischen Rundfunk sagte, dauerte die Exhumierung der Kinderleiche acht Stunden. Demnach war an der Arbeit nicht nur ein Rechtsmediziner, sondern auch ein Archäologe beteiligt. Wann die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, konnte der Sprecher nicht sagen.

asc/dpa

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