Prozess in Hanau Mutmaßliche Sektenchefin soll 1988 Vierjährigen getötet haben

Sie brachte offenbar einen Jungen um, weil sie ihn als "von den Dunklen besessen" ansah: Mehr als 30 Jahre nach dem Tod des Kindes steht eine 77-Jährige in Hessen vor Gericht.

Anwalt Matthias Seipel mit der Angeklagten: Ist sie für den Tod eines Jungen verantwortlich?
Jörn Perske/ DPA

Anwalt Matthias Seipel mit der Angeklagten: Ist sie für den Tod eines Jungen verantwortlich?


Vor dem Landgericht Hanau hat der Mordprozess gegen eine mutmaßliche Sektenchefin begonnen. Sie soll für den qualvollen Tod eines vierjährigen Jungen verantwortlich sein.

Ihr wird vorgeworfen, den Jungen 1988 getötet zu haben. Die heute 72-Jährige soll das Kind, das in ihrer Obhut gestanden haben soll, in einen Leinensack eingeschnürt, im Badezimmer abgelegt und ihn trotz panischer Schreie zurückgelassen haben.

Die Frau soll den Jungen laut Anklage als "von den Dunklen besessen" angesehen haben. Deshalb habe sie beschlossen, ihn zu töten. Der Junge sei nach einem "erbitterten Todeskampf" gestorben, vermutlich erstickte er.

Die Staatsanwaltschaft sieht das Mordmerkmal der Grausamkeit erfüllt. Zudem habe die Angeklagte aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Der Verteidiger der Angeklagten hatte den Mordvorwurf stets bestritten.

Neu aufgerollt wurde der Fall im Frühjahr 2015 wegen neuer Aussagen von ehemaligen Mitgliedern der Sekte. Bei der Sekte soll es sich laut "Frankfurter Rundschau" um eine Gruppe handeln, die die Angeklagte zusammen mit ihrem verstorbenen Mann um sich scharte. Die Mitglieder hätten ihr Leben über Jahrzehnte offenbar komplett nach den Vorgaben der Frau ausgerichtet.

bbr/dpa

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