Bundespolizist aus Hannover Verfahren wegen Folter eingestellt - Anklage wegen Kinderpornos

Die Staatsanwaltschaft hat die Folter-Ermittlungen gegen einen Bundespolizisten eingestellt. Er habe zwar verdächtige Nachrichten verschickt - aber nur, um damit zu prahlen. Nun muss er sich wegen anderer Delikte verantworten.

Bundespolizeiinspektion in Hannover
DPA

Bundespolizeiinspektion in Hannover


Das Folterverfahren gegen einen Bundespolizisten aus Hannover ist eingestellt worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Es habe keine "Anhaltspunkte für die systematische Misshandlung" von Menschen im Polizeigewahrsam gegeben.

Vor knapp einem Jahr hatten zwei Kollegen Strafanzeige gegen Torsten S. erstattet, weil er auf der Wache am Hauptbahnhof mindestens einen Flüchtling in Polizeigewahrsam misshandelt haben soll. Die mutmaßlichen Taten hielt er mit dem Handy fest und verschickte ein Foto davon per WhatsApp an die Kollegen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft SPIEGEL ONLINE sagte.

Anklage auch wegen Pumpgun und Kinderpornos

Die Befragung des Bundespolizisten ergab demnach, dass der Polizist zwar das Foto und mehrere Botschaften verschickt hatte, jedoch bloß, um sich damit zu brüsten. Der 40-Jährige hatte seinen Kollegen unter anderem geschrieben, er habe den Flüchtling gammeliges Schweinefleisch vom Boden essen lassen.

Das vermeintliche Opfer, das die Staatsanwaltschaft nach langer Suche ausfindig gemacht hatte, habe sich zwar tatsächlich über eine grobe Behandlung durch den Beamten beschwert, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nun. Allerdings habe die Aussage des Marokkaners weder zeitlich noch inhaltlich zu den vermeintlichen Taten gepasst, mit denen der Beamte geprahlt hatte.

Geldstrafe wegen Pornobild an 14-Jährige

Dass er den jungen Flüchtling damals fesselte, konnte der Bundespolizist laut Staatsanwaltschaft damit begründen, dass der Mann Widerstand geleistet habe. Auch die anderen Foltervorwürfe ließen sich nicht belegen.

Da der Beamte das Bild aus der Zelle von dem gefesselten Mann jedoch per Handy an seine Kollegen verschickte, hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage wegen eines Verstoßes gegen das Kunsturheberrechtsgesetz erhoben.

Darüber hinaus legt die Anklage ihm den Besitz von Kinderpornografie sowie Verstöße gegen das Waffenrecht zur Last: Bei einer Hausdurchsuchung nach der Strafanzeige waren bei dem Beamten eine Pumpgun sowie Munition gefunden worden. Außerdem wird der Mann wegen rund 2000 Videos und fast 900.000 Bilddateien angeklagt - darunter kinder- und jugendpornografisches Material.

Bereits im Oktober hatte der Bundespolizist eine Geldstrafe zahlen müssen, weil er einer 14-Jährigen ein pornografisches Foto von sich geschickt hatte.

apr/dpa

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