Prozess in Hannover Fünf Jahre Haft für Missbrauch von belgischem Jungen

Das Opfer wurde von seinem eigenen Vater im Internet angeboten: Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen ist ein junger Mann in Hannover zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.


Im Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch eines Schülers aus Belgien ist das Urteil gefallen: Das Landgericht Hannover sprach einen 22-Jährigen schuldig. Der Mann muss für vier Jahre und elf Monate ins Gefängnis.

An dem Missbrauch hatte sich auch der Vater des Opfers, der seinen elfjährigen Sohn auf einer Pädophilen-Plattform im Internet angeboten hatte. Es werde Jahre dauern, bis der psychisch geschädigte Junge über das Geschehen hinwegkomme - wenn überhaupt, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Der Angeklagte aus dem Raum Hameln war auf das Angebot des Vaters eingegangen und Anfang März nach Belgien gereist. Ein Psychiater bescheinigte dem Angeklagten eine ausgeprägte Pädophilie. Eine Therapie werde Jahre dauern und müsse am besten gleich zu Beginn der Haft beginnen, sagte der Sachverständige vor Gericht.

Australische Fahnder brachten die Ermittlungen ins Rollen

In seinem Abschlussplädoyer entschuldigte sich der Angeklagte und sagte, er werde sich in Haft in Therapie begeben, damit sich eine solche Tat nicht wiederhole. Die Anklage hatte fünfeinhalb Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger plädierte auf eine deutliche Freiheitsstrafe, deren Höhe er in das Ermessen des Gerichts stellte. Strafmildernd berücksichtigt werden müsse, dass der Angeklagte sich zur Zahlung von 20.000 Euro Schmerzensgeld bereit erklärt habe.

Trotzdem bleibe das Motiv offen, sagte der Vorsitzende Richter. "Was bewegt einen 22-Jährigen, einen Elfjährigen mit dessen Vater zu missbrauchen?" Das Schweigen des Angeklagten auf diese Frage lasse das Gericht und die Allgemeinheit ratlos zurück.

Ermittlungen der belgischen Justiz zufolge missbrauchte der 45 Jahre alte Vater seinen Sohn vom Säuglingsalter an. Er befindet sich in Belgien in Haft, wo ihm der Prozess gemacht wird. Auf die Spur des Mannes kamen australische Ermittler: Sie stießen im Internet auf Missbrauchsfotos, die der Vater hochgeladen hatte.

wit/dpa

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