Säure-Attacke auf Ex-Freundin Täter fordert für sich selbst höhere Strafe

Ein Säure-Angriff entstellte Vanessa M., das Landgericht Hannover verurteilte ihren Ex-Freund zu zwölf Jahren Haft. Doch dem passt das Urteil nicht: Er hat Revision eingereicht - und will eine härtere Strafe.

Säure-Opfer vor Gericht
DPA

Säure-Opfer vor Gericht


Der Fall einer Säure-Attacke in Hannover könnte eine bemerkenswerte juristische Fortsetzung finden: Der wegen des Angriffs auf seine frühere Freundin verurteilte Täter will in einer höheren Instanz offenbar eine härtere Strafe für sich erstreiten.

Das Landgericht Hannover hatte Daniel F. Ende August zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Im Gerichtssaal akzeptierte er das: "Ich möchte keine Revision einlegen, in anderen Ländern hätte ich die Todesstrafe erhalten", sagte der 32-Jährige gleich nach dem Schuldspruch. Er habe die lange Haftstrafe verdient.

"Er hat sofort Rechtsmittelverzicht erklärt", sagte sein Pflichtverteidiger Max Marc Malpricht SPIEGEL ONLINE, "ohne dass wir überhaupt Gelegenheit hatten, uns das anzuschauen oder darüber zu reden."

Nun will F. das Urteil doch anfechten, Malpricht beantragte Revision. Über das Ziel gehen die Meinungen des Anwalts und seines Mandanten aber offenbar auseinander.

Bereits im Prozess habe F. eine 15-jährige Haftstrafe gefordert, so Malpricht. Daran habe sich nichts geändert. "Wenn er weiterhin die 15 Jahre möchte, dann werde ich die für ihn beantragen." Sein Erstaunen verhehlt der Anwalt nicht: "So etwas ist mir noch nicht untergekommen."

"Ich dachte, ich muss sie irgendwie hässlich machen"

In dem Verfahren geht es um einen Vorfall im Februar. Vanessa M. war damals mit industriellem Rohrreiniger schwer verletzt worden: Auf einem Auge ist die 27-Jährige seitdem fast blind, ein verätztes Ohr mussten Chirurgen aufwendig rekonstruieren.

Der wegen des Angriffs verurteilte Ex-Freund F. hatte vor Gericht ausgesagt, er habe sie mit der Säure entstellen wollen. Nach der Trennung habe er sich von ihr erniedrigt und wegen einer Strafanzeige von ihr bedroht gefühlt. Mit der Attacke habe er ihren schlechten Charakter auf ihr Äußeres übertragen wollen. "Ich dachte, ich muss sie irgendwie hässlich machen."

Der Mann beteuerte in seinem Geständnis mehrfach, die Tat zu bedauern, er habe die verheerende Wirkung der Säure unterschätzt. Schon vor Beginn des Verfahrens ließ er 50.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer überweisen - als Vorschuss für weitergehende Ansprüche.

Wie der Angeklagte aussagte, lauerte er der Frau am frühen Morgen vor ihrer Wohnung auf, um sie zur Rede zu stellen. Sie sollte seinen Eltern sagen, dass er sie weder geschlagen noch beleidigt habe - das hatte ihm die 27-Jährige vorgeworfen und ihn angezeigt. Sie wies den 32-Jährigen ab und verwies auf eine einstweilige Verfügung, die sie gegen ihn wegen Stalkings erwirkt hatte. Daraufhin griff er in seiner Jackentasche nach dem in einem Glas abgefüllten Rohrreiniger und schüttet ihr die Flüssigkeit ins Gesicht.

mxw



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