Tödliche Schläge gegen Fußgänger 28-Jähriger zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Ein Radfahrer attackierte einen Fußgänger in Hannover, das Opfer starb später. Nun soll der Täter ins Gefängnis: Er ist der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen worden.


Das Landgericht Hannover hat einen 28-Jährigen, der einen Fußgänger zu Tode geprügelte hatte, zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Außerdem ordnete es an, den Mann in einer Entzugsklinik unterzubringen. Der Angeklagte wurde der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen.

Der Mann war im vergangenen Oktober mit dem Fahrrad unterwegs als er mit einem Fußgänger aneinandergeriet, der plötzlich auf die Straße gelaufen war. Offenbar war er durch sein Handy abgelenkt. Im Streit soll der 40-Jährige zunächst gegen das E-Bike des 28-Jährigen getreten haben. Dieser griff den älteren Mann an und verletzte ihn so schwer, dass er drei Tage nach dem Angriff im Krankenhaus starb.

Die Richter seien zu dem Schluss gekommen, dass der drogenabhängige Täter das ihm nicht bekannte Opfer zwar verletzen, aber nicht töten wollte, sagte ein Gerichtssprecher nach der Verhandlung. Dem Mann war zunächst Totschlag vorgeworfen worden. (Az.: 39 Ks 3/19)

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte auf fünf Jahre und acht Monate Haft plädiert, ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge. Die Verteidigung hatte dem Sprecher zufolge kein konkretes Strafmaß genannt.

In dem Prozess war der Bruder des Getöteten als Nebenkläger aufgetreten. Der Angeklagte hatte die Prügelattacke zum Prozessauftakt bedauert und mit seiner Drogensucht und privaten Schwierigkeiten begründet. Er sei demnach von Kokain, Cannabis und Alkohol abhängig gewesen. Seine Frau habe ihren Job verloren, das gemeinsame Baby sei zu früh geboren worden und habe ums Überleben gekämpft.

Zeugenberichten zufolge sagte er vor den tödlichen Schlägen zu dem Opfer: "Wir boxen jetzt wie Männer!" Üblicherweise lernen Kickboxer, wie gefährlich bestimmte Schläge sind. Dem Angeklagten habe man aber nicht nachweisen können, dass er von deren Gefährlichkeit wusste, sagte der Gerichtssprecher. Das Geständnis hatten die Richter zugunsten des 28-Jährigen gewertet. Zu seinen Lasten wirkte sich dagegen aus, dass es sich um eine brutale Körperverletzung aus nichtigem Anlass handelte.

bbr/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.