Auftaktplädoyers im Weinstein-Prozess "Endlich werden ihre Stimmen gehört werden"

Harvey Weinstein kommt ohne Rollator ins Gericht und sagt, es gehe ihm besser. Anklägerin Meghan Hast beschreibt in ihrem Auftaktplädoyer detailliert, wie der ehemalige Filmmogul zwei Frauen missbraucht haben soll.
Harvey Weinstein: Diesmal ohne Rollator

Harvey Weinstein: Diesmal ohne Rollator

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LUCAS JACKSON/ REUTERS

Im Prozess gegen den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein hat die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten in ihrem Auftaktplädoyer schwere Sexualverbrechen vorgeworfen. Beweise zeigten, "dass dieser Mann ein Sexualstraftäter und Vergewaltiger ist", sagte Anklägerin Meghan Hast.

Hast legte die Fälle mehrerer Frauen dar, die Weinstein sexuell bedrängt haben soll. Demnach habe er "seine Macht in der Unterhaltungsindustrie dazu genutzt, ihr Schweigen sicherzustellen". Die Staatsanwältin kündigte an, dass die mutmaßlichen Opfer ihre Geschichten der Angst und Erniedrigung während des Prozesses erzählen werden - "endlich werden ihre Stimmen gehört werden", so Hast.

In dem Prozess gegen Weinstein geht es vor allem um zwei Frauen: Der heute 67-Jährige soll eine von ihnen im Jahr 2006 zum Oralsex gezwungen, die andere 2013 vergewaltigt haben. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Insgesamt hatten mehr als 80 Frauen Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen und damit die weltweite MeToo-Bewegung ausgelöst. Viele der mutmaßlichen Taten fanden jedoch nicht in New York statt oder sind verjährt. Der Prozess soll etwa zwei Monate dauern. Weinstein hatte immer wieder gesagt, die sexuellen Kontakte seien einvernehmlich erfolgt.

Das Versprechen von den großen Rollen

Staatsanwältin Hast ging bei der Beschreibung dieser und auch anderer mutmaßlicher Taten Weinsteins ins Detail. Sie beschrieb, wie er die Schauspielerin Annabella Sciorra vergewaltigt haben soll. Diese mutmaßliche Tat wäre verjährt, doch Sciorra soll als Zeugin aussagen. Außerdem schilderte Staatsanwältin Hast, wie er sich mit seinen etwa 135 Kilo Körpergewicht auf die zierliche Produktionsassistentin Mimi Haleyi "gestürzt" haben soll, obwohl diese "Ich bin nicht interessiert" und "Nein" gesagt habe. "Nichts hat geholfen", sagte Hast.

Schließlich beschrieb die Anklägerin auch den Fall von Schauspielerin Jessica Mann und wie Weinstein gegen ihren Willen Oralverkehr an ihr ausgeübt haben soll. Er habe mit dem Versprechen von großen Rollen in seinen Filmen versucht, sie gefügig zu machen.

Während Hast über die mutmaßlichen Opfer in dem aufsehenerregenden Fall sprach, wurden auf einem großen Bildschirm im Gerichtssaal Fotos der Frauen gezeigt. Weinstein verhielt sich während des Plädoyers äußerlich ruhig, schaute manchmal Richtung Boden oder sagte etwas zu einer Mitarbeiterin seines Teams.

Der ehemalige Filmproduzent war zuvor ohne seine Gehhilfe - anders als in den vergangenen Wochen - in den Gerichtssaal in Manhattan gekommen. Reportern sagte der 67-Jährige, er fühle sich besser. Auf die Frage, ob er einen fairen Prozess erwarte, sagte Weinstein: "Ich habe gute Anwälte." Er ging gestützt von einem Mitarbeiter seines Teams zu seinem Platz vor der Richterbank.

Staatsanwältin Hast zeigt auf den Angeklagten Weinstein: "Nichts hat geholfen"

Staatsanwältin Hast zeigt auf den Angeklagten Weinstein: "Nichts hat geholfen"

Foto: JANE ROSENBERG/ REUTERS

Die Verteidigung der Hauptanwältin Donna Rotunno wird vermutlich darauf beruhen, dass Weinsteins Sex mit den Frauen einvernehmlich gewesen sein soll, weil diese sich davon einen Karriereschub versprochen hätten. In ihrem Eröffnungsplädoyer warf die Verteidigung den mutmaßlichen Opfern widersprüchliche Aussagen vor. Es gebe Beweise von diesen Zeugen selbst, die zeigten, dass ihre Vorwürfe nicht wahr seien, sagte Weinstein-Anwalt Damon Cheronis: "Er (Weinstein) war nicht dieser meisterhafte Manipulator."

"Alles, was Frau Hast Ihnen gerade erzählt hat, sind keine Beweise. Sie war nicht da", sagte Cheronis. Der Verteidiger zeigte eine Reihe von Botschaften von Zeugen der Anklage, die diese nach den mutmaßlichen Taten an Weinstein geschickt haben sollen. So schickte die Produktionsassistentin Mimi Haleyi nach Darstellung der Anwälte eine Mail an Weinstein, in der sie Bedauern darüber äußerte, dass sie sich so lange nicht gesehen hätten. Die Nachricht ist demnach mit "Peace & Love" unterschrieben. Über die Schauspielerin Jessica Mann sagte Cheronis, sie habe zu Weinstein nach dem mutmaßlich erzwungenen Oralsex "Ich liebe dich, das tue ich immer" geschrieben.

Mit den Auftaktplädoyers startete der Prozess nach mehr als zwei Wochen inhaltlich. Erwartet wird ein Kampf zwischen Anklage und Verteidigung um die Glaubwürdigkeit der Zeugen - am Ende entscheiden die zwölf Geschworenen über Schuld oder Unschuld. In den ersten Wochen des Prozesses waren sie und drei Ersatzjuroren aus einem Pool von ursprünglich mehr als 600 Personen ausgewählt worden. Ein großer Teil war ausgeschieden, weil sich viele potenzielle Geschworene für befangen erklärten.

ptz/dpa/AP
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