Medienberichte Weinstein soll Millionen-Einigung mit mutmaßlichen Opfern erzielt haben

Dutzende Frauen beschuldigen Harvey Weinstein sexueller Übergriffe: Nun sollen die Zivilklagen gegen den früheren Hollywoodproduzenten angeblich fallengelassen werden - gegen Zahlungen von 44 Millionen Dollar.

Harvey Weinstein (Archiv)
Johannes EISELE / AFP

Harvey Weinstein (Archiv)


Der ehemalige Filmmogul Harvey Weinstein hat laut Medienberichten in seinen Zivilverfahren wegen sexueller Übergriffe eine vorläufige Vereinbarung über eine Millionenentschädigung erzielt. Die außergerichtliche Regelung, die sämtliche mutmaßliche Opfer und Gläubiger betreffe und auch die Verfahren in Kanada und Großbritannien einschließe, beläuft sich demnach auf Zahlungen von 44 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 39,4 Millionen Euro). Das berichten das "Wall Street Journal" (WSJ) und die "Los Angeles Times". Die strafrechtliche Verfolgung des Ex-Filmproduzenten bleibt den Berichten zufolge davon unberührt.

Die Vereinbarung sei noch nicht unterzeichnet worden, berichtete das "WSJ". Die ausgehandelte Entschädigungssumme von 44 Millionen Dollar soll demnach von Versicherungen bereitgestellt werden. Bei einigen von ihnen sei die von Harvey Weinstein mitgegründete Produktionsfirma The Weinstein Company Kunde gewesen, schrieb die Zeitung.

Laut "Los Angeles Times" sollen 30 Millionen Dollar direkt an mutmaßliche Opfer, Geldgeber der inzwischen insolventen Filmproduktionsgesellschaft sowie frühere Angestellte des Unternehmens fließen. 14 Millionen Dollar seien für Prozesskosten eingeplant, hieß es.

Weinsteins Sprecher wollten sich nicht zu den Berichten äußern. Auch die maßgeblich an den Verfahren beteiligte Staatsanwaltschaft in New York gab auf Anfrage keinen Kommentar dazu ab.

Die Einigung würde in jedem Fall nur die Zivilverfahren gegen Weinstein berühren. Nicht betroffen sei ein Strafverfahren, das in New York gegen Weinstein geführt wird, berichteten die Zeitungen. Er muss dort wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung im Jahr 2013 sowie wegen erzwungenen Oralverkehrs mit zwei verschiedenen Frauen im Jahr 2006 vor Gericht. Weinstein hat alle Vorwürfe in den Fällen zurückgewiesen.

Der Strafprozess gegen den 67-Jährigen soll im September beginnen und voraussichtlich fünf Wochen dauern. Bei einer Verurteilung droht Weinstein eine lebenslange Haftstrafe.

Die ersten Missbrauchsvorwürfe gegen Weinstein waren im Oktober 2017 öffentlich geworden. Seitdem warfen ihm Dutzende Frauen vor, sie sexuell belästigt oder vergewaltigt zu haben. Unter ihnen sind Filmstars wie Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Salma Hayek, Rose McGowan und Ashley Judd. Viele der Vorwürfe sind allerdings verjährt.

Der 67-jährige Weinstein weist die Vorwürfe zurück und sagt, dass die sexuellen Kontakte zu den Frauen stets einvernehmlich gewesen seien. Kurz nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe trennte sich Weinsteins Frau, die Modedesignerin Georgina Chapman, von ihm.

Der Fall Weinstein hatte eine weltweite Kampagne gegen sexuelle Belästigung ausgelöst. Unter dem Schlagwort #MeToo machten zahlreiche Missbrauchsopfer ihre Erfahrungen öffentlich. Unter den Beschuldigten sind viele Prominente.

wit/AFP/Reuters

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