"Armee von Spionen" Harvey Weinstein hat offenbar Ex-Mossad-Agenten auf Opfer angesetzt

Harvey Weinstein setzte laut "New Yorker" Detektive auf seine Opfer an. Offenbar sollten sie ein Bekanntwerden der Vorwürfe verhindern.

Harvey Weinstein
imago/ Independent Photo Agency

Harvey Weinstein


Vor vier Wochen hob Ronan Farrow mit einem Beitrag im "New Yorker" den Skandal um die sexuellen Übergriffe Harvey Weinsteins auf eine neue Ebene. Drei Frauen, unter ihnen die italienische Schauspielerin Asia Argento und die angehende Darstellerin Lucia Evans, schilderten in dem Artikel angebliche Vergewaltigungen durch den Hollywood-Produzenten. Nun hat der 29-jährige Sohn von Regisseur Woody Allen und Schauspielerin Mia Farrow eine umfassende Recherche nachgelegt.

Weinstein habe private Sicherheitsfirmen angeheuert, um Informationen über die Frauen zu sammeln, die ihm sexuelle Belästigung und Missbrauch vorwarfen, berichtet Farrow im "New Yorker". Der Filmproduzent habe im Herbst 2016 mehrere Firmen eingeschaltet - PSOPS, Kroll und Black Cube, das von früheren Offizieren des israelischen Geheimdienstes Mossad geführt werde.

In zwei Fällen gerieten demnach auch Journalisten ins Visier. Die Veröffentlichung der Anschuldigungen gegen den 65-jährigen Oscar-Preisträger Weinstein hätte mit dieser "Armee von Spionen" verhindert werden sollen, schreibt Farrow. Auf Twitter kommentierte er die Recherche mit den Worten: "Verrückteste Geschichte, über die ich je berichtet habe, und eine seltene Erfahrung, die mich um meine Sicherheit fürchten ließ." Er zog auch eine Parallele zu seiner Arbeit in Afghanistan.

Ronan Farrow, dessen Schwester Dylan vom Stiefvater Woody Allen als Kind selbst sexuell missbraucht worden sein soll, beruft sich in dem Bericht auf Dokumente und die Aussagen von sieben beteiligten Personen. Ein Vertrag soll von Weinsteins Anwalt David Boies, der einst auch Ex-US-Präsidentschaftskandidat Al Gore vertreten hatte, im Juli unterzeichnet worden sein. Zwei Mitarbeiter von Black Cube sollen sich unter falschem Namen mit der Schauspielerin Rose McGowan getroffen haben. Die 44-Jährige zählte mit zu den ersten, die Weinstein der Vergewaltigung beschuldigten.

Eine Privatermittlerin hatte sich dem Bericht zufolge im Auftrag von Black Cube zuvor als Frauenrechtsanwältin ausgegeben und mindestens vier Treffen mit McGowan verdeckt mitgeschnitten. Farrow schlüsselt in dem Stück auf, wie die Ex-Agentin um das Vertrauen der Schauspielerin warb. Sie aß mit ihr Eis am Strand, verschickte E-Mails mit der Grußformel 'Hallo Liebe' und bewunderte vermeintlichen McGowans Mut, die Übergriffe anzuprangern.

Britische Handynummer, deutscher Akzent

Dieselbe private Ermittlerin soll sich dem Bericht zufolge auch zweimal mit einem Journalisten getroffen und vorgegeben haben, selbst etwas gegen Weinstein in der Hand zu haben. So habe sie offensichtlich in Erfahrung bringen wollen, welche Frauen mit der Presse reden. Der Journalist wurde allerdings misstrauisch, er beschrieb das Auftreten des angeblichen Opfers, das sich von einer britischen Handy-Nummer bei ihm gemeldet habe, als "Seifenopern-Schauspielerei". Den Akzent der Frau habe er zunächst für deutsch gehalten.

Die weiteren von Weinstein laut "New Yorker" engagierten Firmen, sollten offenbar Fotos sammeln und psychologische Profile über die "persönliche und sexuelle Vergangenheit" der Weinstein-Opfer zusammenstellen.

Fotostrecke

34  Bilder
Vorwürfe gegen Medienmogul: Die Akte Weinstein

Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister sagte "The New Yorker": "Es ist eine Fiktion, es so hinzustellen, als seien irgendwelche Personen zu irgendeiner Zeit ins Visier genommen oder unterdrückt worden." Vergewaltigung streitet Weinstein ab. Anwalt Boies bestätigte dem Magazin, die Verträge abgeschlossen und dafür gezahlt zu haben. Er sprach von einem Fehler: "Zu dieser Zeit erschien es als vernünftige Regelung für einen Kunden, aber es war nicht durchdacht, und das war mein Fehler."

Vorwürfe gegen Prominente

Mittlerweile werfen Dutzende Frauen dem Hollywoodmogul sexuelle Belästigungen bis hin zur Vergewaltigung vor. Polizeibehörden in Los Angeles, Beverly Hills, New York und London ermitteln gegen ihn. Der Fall hat eine weltweite Debatte über Belästigung und sexualisierte Gewalt ausgelöst.

In der Debatte geht es um Machtmissbrauch, den gesellschaftlichen Umgang mit Sexismus und die Rolle der Männer in diesem Diskurs. Auch Ronan Farrows Vater, Woody Allen, schaltete sich ein. Der Regisseur, der den Übergriff auf seine Stieftochter Dylan abstritt, warnte vor einer "Hexenjagd-Atmosphäre" - und wurde deshalb ebenfalls kritisiert.

apr/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.