Vorwurf des sexuellen Missbrauchs Polizei in Los Angeles ermittelt gegen Weinstein

Dutzende Frauen werfen US-Produzent Harvey Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Nun hat die Polizei in Los Angeles Ermittlungen eingeleitet. Zudem äußerte sich Starregisseur Quentin Tarantino: "Ich wusste, er hat einige dieser Dinge getan."

Harvey Weinstein (2015 bei den Oscars)
AP

Harvey Weinstein (2015 bei den Oscars)


Die Polizei in Los Angeles ermittelt wegen Missbrauchsvorwürfen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei. Es gehe um einen Fall aus dem Jahr 2013. Ein mögliches Missbrauchsopfer sei von der Polizei befragt worden, sagte Sprecher Sal Ramirez. Mehr Details zu den Ermittlungen wurden nicht genannt.

Der "Los Angeles Times" zufolge soll es sich um eine 38-jährige Schauspielerin aus Italien handeln. Demnach soll sie angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills sexuell missbraucht worden zu sein. Die Frau wird von dem US-Anwalt David Ring in Los Angeles vertreten.

Rund eine Woche zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Polizei in New York sowie in London Vorwürfe gegen Weinstein prüft.

Eine Sprecherin des Filmproduzenten erklärte nun in einer Mitteilung, Weinstein könne sich nicht zu anonymen Anschuldigungen äußern. Er weise aber sämtliche Vorwürfe zurück, wonach er nicht-einvernehmlichen Sex hatte.

Mehr als 40 Frauen werfen Weinstein sexuelle Belästigung vor, einige sogar Vergewaltigung. Ans Licht gekommen war der Skandal durch einen Bericht in der "New York Times", kurz danach legte der "New Yorker" nach und berichtete von weiteren Anschuldigungen gegen Weinstein. Der 65-Jährige wurde danach von seiner Produktionsfirma The Weinstein Company entlassen und trat auch als Verwaltungsrat seiner Firma zurück.

Tarantino: "Ich wusste genug"

Zu dem Fall hatten sich in den vergangenen zwei Wochen bereits zahlreiche Schauspieler, Produzenten und Regisseure gemeldet - nun äußerte sich auch Quentin Tarantino, ein enger Kollege Weinsteins. "Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich getan habe", sagte der Regisseur im Interview mit der "New York Times". Es sei mehr gewesen, als nur die üblichen Gerüchte, "ich wusste, dass er einige dieser Sachen getan hat". Er wünsche, er hätte Verantwortung übernommen, sagte Tarantino.

Eine seiner Ex-Freundinnen, Mira Sorvino, habe ihm damals erzählt, von Weinstein belästigt worden zu sein. Er habe auch von einer anderen Schauspielerin solche Geschichten gehört und zudem gewusst, dass sich Rose McGowan außergerichtlich mit Weinstein geeinigt hatte. Sie ist eine der Frauen, die den Fall an die Öffentlichkeit gebracht hatten und die sich seitdem immer wieder lautstark zum Thema äußert.

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Tarantino sagte nun, er habe von all diesen Fällen gewusst, sie aber nicht zu einem großen Gesamtbild zusammengefügt. Dies bereue er. Er habe die Fälle kleiner gemacht, als sie waren und nicht ernst genug genommen. "Alles was ich jetzt sage, wird wie eine schlechte Ausrede klingen."

aar/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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janne2109 20.10.2017
1. stimmt
stimmt Mr. Tarantino und auch Sie müssten angeklagt werden wegen unterlassener Hilfeleistung und nie mehr Geld für einen Film bekommen, Sie und all die anderen die wussten, ahnten und die Klappe gehalten haben. Und ich bin sicher einige der sog. starken Frauen unter den Schauspielerinnen wussten auch davon, an die hat sich dieser Mann nicht gewagt, warum auch, die hatten bereits ihre Karriere gemacht.
gandhiforever 20.10.2017
2. Traurig
Dass es Typen wie Weinstein gibt, die Frauen missbrauchen, ist eine traurige Wahrheit. Wahrscheinlich war es vor 50 Jahren noch viel schlimmer. Allerdings sind Typen wie Tarantino , auch wenn sie selbst nicht aktiv missbraucht haben, mitschuldig. Aus reiner Feigheit haben sie es versaeumt, Weinstein anzuzeigen. Waeren mehrere Anzeigen eingegangen, haette Weinstein nicht so lange wueten koennen, die Justiz im Staat New York, die aus unerklaerlichen einen Fall nicht weiter verfolgte, haette wahrscheinlich anders gehandelt (handeln muessen).
optimistic24 20.10.2017
3. Das Mindeste!
Wenigstens einer, der sich reumütig zeigt, ansonsten Verlogenheit wohin man blickt. Übrigens muss man dafür nicht über den großen Teich schauen, so etwas findet man hier genauso. Das ist kein Problem der USA, das ist ein Problem der Menschheit.
Plasmabruzzler 20.10.2017
4.
Ich bin entsetzt. Viele wussten von seinen Taten und haben nichts unternommen. Tarantino und auch andere sind im Gegensatz zu den potentiellen Opfern feste Größen in Hollywood, deren Entschuldigung es nicht sein kann, ihre Karriere dafür aufs Spiel zu setzen. Auch wenn ich bis heute nicht wirklich verstehe, warum nicht von allen Opfern direkt Anzeige erstattet wurde (ja, zu anderen Artikeln zum Thema haben sich einige Kommentatoren ausführlich geäußert), sollte die Mitwisserschaft auch angeprangert werden. Wenn ich wüsste, dass mein Nachbar regelmäßig Frauen missbraucht, wäre ich schon längst bei den Ermittlungsbehörden aufgeschlagen. Hier geht es ja um die Ausübung von Gewalt und nicht um den Diebstahl einer Schokoladentafel. Nur wenn publik wird, dass solche Taten nicht ungesühnt bleiben, wird es zukünftig weniger Opfer geben. Die meisten potentiellen Täter würden damit abgeschreckt.
hannac. 20.10.2017
5. nicht nur in dieser Branche
Je höher die Abhängigkeit, um so dreister wird es. Der Bereich Schauspieler ist hart umkämpft. Viele sind talentiert und viele sehen klasse aus aber das reicht oft nicht. Entweder sie können auch kellnern oder Taxi fahren, um geduldig auf ihre Chance zu hoffen. Oder sie haben Vitamin B, dann wird man förmlich in die erste Reihe hinein geboren. Ich kann mir dann gut vorstellen was sich dann die Mächtigen dieser Branche denken ... was die Mutter damals konnte, kann auch die Tochter. Spätestens dann hört der Spaß auf. Trotzdem, kein Mächtiger hat das Recht sich über alle Normen hinweg zusetzen und darf seine Position schamlos ausnutzen. Das geht halt nur im Film.
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