Handy im Gericht benutzt Richter droht Weinstein mit Haft

Im Prozess gegen Harvey Weinstein hat die Auswahl der Geschworenen begonnen. Zunächst wies der Richter den Angeklagten aber deutlich zurecht.
Harvey Weinstein vor dem Gerichtsgebäude in New York (Juli 2019): "Wollen Sie wirklich so für den Rest Ihres Lebens im Gefängnis landen?"

Harvey Weinstein vor dem Gerichtsgebäude in New York (Juli 2019): "Wollen Sie wirklich so für den Rest Ihres Lebens im Gefängnis landen?"

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Kena Betancur/Getty Images/AFP

Im Prozess gegen den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein wegen mutmaßlicher Sexualverbrechen hat Richter James Burke dem Angeklagten damit gedroht, ihn ins Gefängnis verlegen zu lassen. Hintergrund: Weinstein hatte offenbar im Gerichtssaal sein Handy benutzt, als mit der Auswahl der Geschworenen begonnen werden sollte.

"Das war an jedem Tag im Gericht ein Problem", sagte Burke an den 67-Jährigen gerichtet. "Wollen Sie wirklich so für den Rest Ihres Lebens im Gefängnis landen, indem Sie Textnachrichten verschicken und damit gegen eine Gerichtsanordnung verstoßen?" Weinstein beteuerte, das Handy nicht benutzt zu haben. Er ist derzeit auf Kaution frei.

Weinstein droht eine lebenslange Freiheitsstrafe

Burke wies am Dienstag zudem einen Antrag der Verteidigung zurück, die um eine Verschiebung des Prozesses gebeten hatte, nachdem die Staatsanwaltschaft in Los Angeles am Montag dort einen weiteren Strafprozess angekündigt hatte.

Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft in Los Angeles sei ein "Weihnachtsgeschenk" für die Anklage in New York, sagte einer von Weinsteins Anwälten. Unter diesen Umständen könne keine "unparteiische" Jury zusammengestellt werden. Richter Burke erklärte daraufhin, jeder Angeklagte gelte bis zu einer Verurteilung als unschuldig. Dies werde auch den Geschworenen im New Yorker Prozess erklärt.

In dem Prozess geht es um die Vorwürfe von zwei Frauen: Weinstein soll eine von ihnen 2006 zum Oralsex gezwungen haben; die andere Frau soll er 2013 vergewaltigt haben. Weinstein weist die Vorwürfe zurück und spricht von einvernehmlichen sexuellen Handlungen. Der Prozess könnte insgesamt bis zu zwei Monate dauern. Bei einer Verurteilung droht dem 67-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Insgesamt müssen zwölf Geschworene ausgewählt werden, die dann über Weinstein urteilen sollen. Ernannt werden auch sechs Ersatz-Geschworene. In einer ersten Runde wurden rund 120 Kandidaten befragt. Rund 40 von ihnen gaben an, nicht fair und unvoreingenommen urteilen zu können - sie wurden deshalb von dem Prozedere ausgeschlossen. Die anderen wurden gebeten, Fragebögen auszufüllen. Darin wurde unter anderem gefragt, ob Verwandte in der Vergangenheit Opfer sexueller Angriffe geworden waren.

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Die Auswahl der Geschworenen könnte sich über zwei Wochen ziehen. Richter Burke hofft, am 22. Januar mit den Eröffnungsplädoyers beginnen zu können. Der Prozess könnte sich bis Anfang März hinziehen.

aar/Reuters/AFP