Mord an Hatun Sürücü Prozess gegen Brüder wird erst im Oktober fortgesetzt

Hatun Sürücü wurde vor elf Jahren von ihrem jüngsten Bruder in Berlin ermordet. Die Familie will angeblich nichts von dem Plan gewusst haben - wie Zeugenaussagen vor Gericht in Istanbul zeigen sollen.

Gedenkstein für Hatun Sürücü
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Gedenkstein für Hatun Sürücü


In der Türkei ist der Prozess um den Mord an der Berliner Deutsch-Türkin Hatun Sürücü fortgesetzt worden. Vor Gericht in Istanbul stehen zwei Brüder des Opfers. Niemals hätte sie jemanden geheiratet, der einen Mord geplant habe, sagte die 30-jährige Frau eines der beiden Angeklagten. Vielmehr hätte ihr Mann versucht, seinen kleinen Bruder von dem Mord an Hatun Sürücü abzubringen - hätte er davon gewusst. "Mein Man ist ein humaner Mensch. Sie soll an diesem Prozesstag ihren Mann entlasten.

Ihm und seinem ein Jahr älteren Bruder wird nach Angaben der türkischen Justiz das Töten eines nahen Verwandten vorgeworfen. Sie sollen den jüngsten Bruder mit dem Mord an ihrer kleinen Schwester Hatun Sürücü beauftragt haben, um die Familienehre wieder herzustellen. Außerdem werden die Brüder beschuldigt, die Tatwaffe besorgt zu haben. Der Jüngste erschoss Hatun Sürücü im Jahr 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin. Dafür saß er neuneinhalb Jahre in Deutschland in Haft und wurde dann in die Türkei abgeschoben.

Schon am vergangenen Verhandlungstag vor rund drei Monaten hatte der jüngste Bruder betont, die Tat allein begangen zu haben. Der heute 29-Jährige sagte, er habe nach einem Streit die Fassung verloren und seine Schwester - entgegen seiner früheren Behauptungen - nicht wegen ihres westlichen Lebensstils umgebracht.

Fortsetzung erst im Oktober

Dass die Familie nichts gegen einen westlichen Lebensstil habe, sollte offenbar auch an diesem Gerichtstag deutlich gemacht werden. Die Verteidigerin legte dem Richter Fotos vor. Darauf sollen sowohl die Angeklagten, als auch die Ermordete in glücklichen Tagen zu sehen sein.

Ein Arbeitskollege des 35-jährigen Bruders sagte ebenfalls aus, um diesen zu entlasten. Der Angeklagte sei sehr wütend auf seinen jüngsten Brüder, sagte er. Zeugen der Anklage wurden an diesem Verhandlungstag nicht vernommen.

Laut Anklageschrift haben die beiden älteren Brüder von der Tat gewusst und sie mit geplant. Die Staatsanwaltschaft stützt sich dabei vor allem auf die Aussagen der Ex-Freundin des Täters. Er hatte ihr demnach von dem Mitwirken der beiden Brüder detailliert erzählt. Die Staatsanwaltschaft verlangte, dass sie erneut vernommen wird. Außerdem sollen die Ex-Frau des 35-jährigen Angeklagten und deren Vater vernommen werden.

Die beiden Angeklagten standen schon einmal in Deutschland vor Gericht. Doch im Berliner Mordprozess wurden sie zunächst aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob die Freisprüche 2007 auf. Die Brüder hatten sich jedoch in die Türkei abgesetzt und ein Prozess kam nicht zustande, weil das Land seine Staatsbürger nicht ausliefert.

2013 eröffnete die türkische Justiz dann ein Strafverfahren gegen die Männer. Die nächste Verhandlung in Istanbul wurde auf den 11. Oktober angesetzt. Laut Anwältin Rukiye Leyla Süren, die das Verfahren für den Frauenrechtsverband "Wir Stoppen Die Verbrechen Gegen Frauen" beobachtet, will das Gericht weitere Zeugen hören und diese möglicherweise in Deutschland vernehmen.

wit/dpa/AFP

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