Hauptverdächtiger im Fall Jonny K. "Er schlug als Erster zu"

Im Prozess um die tödliche Prügelattacke auf Jonny K. hat ein Zeuge den Hauptverdächtigen Onur U. schwer belastet. Der Ex-Boxer habe die Prügelei verursacht, so Gerhardt C., der mit der Schwester des Getöteten liiert ist. Ihn selbst quälen Schuldgefühle.

DPA

Berlin - Onur U. sei am aggressivsten gewesen, "er schlug als Erster zu", erinnerte sich Gerhardt C. vor dem Berliner Landgericht: Der 29-Jährige war bei der Schlägerei in der Nacht zum 14. Oktober 2012 anwesend, als Jonny K. so brutal niedergeschlagen wurde, dass er an einer Gehirnblutung starb. "Ich sah, wie der Kreis um Jonny immer enger wurde, sie haben von allen Seiten auf ihn eingeschlagen", so C. weiter.

Erstmals identifizierte der Zeuge in der Neuauflage des Verfahrens weitere Angeklagte, die bei der Schlägerei am Berliner Alexanderplatz anwesend gewesen sein sollen. Der Prozess war im ersten Anlauf geplatzt, nachdem ein Schöffe für befangen erklärt worden war.

Gerhardt C. ist mit der Schwester des Getöteten liiert. Er macht sich laut eigener Aussage bis heute Vorwürfe: Jonny sei wie ein kleiner Bruder für ihn gewesen, sagte der Berliner. Den müsse man doch beschützen. "Ich sehe sein Gesicht jeden Tag", schilderte der Mann seine Gefühle. Er könne keine Party mehr besuchen, es einfach nicht ertragen, ohne Jonny zu feiern.

Der Freund von Tina K. wurde bei der Prügelei selbst schwer im Gesicht verletzt. Zwar haben die insgesamt sechs zwischen 19 und 24 Jahre alten Angeklagten Schläge und Tritte gestanden. Eine Verantwortung für Jonny K.s Tod wollen sie gleichwohl nicht übernehmen. So gab Onur U. zu, bis zu zwölf Hiebe verteilt zu haben, betonte aber: "Ich möchte ganz deutlich sagen, dass ich mit dem Tod von Jonny nichts zu tun hatte."

Der 19-jährige Onur U. galt lange als Hauptverdächtiger, fünf Monate hielt er sich in der Türkei versteckt. Laut Anklage soll er den Angriff provoziert haben, als er einem betrunkenen Freund von Jonny K. einen Stuhl wegzog. Im ersten Prozess hatte der Zeuge C. nur Onur U. konkret belastet.

Nun erkannte der Zeuge laut eigenen Angaben alle Angeklagten bis auf einen 19-Jährigen. "Ich kann aber nicht sagen, dass alle getroffen haben", erklärte er. Er habe auch nicht gesehen, welcher Schlag zum entscheidenden Sturz von Jonny führte. Vor der Polizei hatte der Zeuge auf Fotos überhaupt niemanden wiedererkannt. "Ich war so durcheinander", lautete die Begründung des 29-Jährigen.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

ala/dpa

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