Schüsse im Hörsaal Attacke in Heidelberg – junge Frau stirbt nach Kopfschuss

Ein Mann schoss in einem Heidelberger Uni-Hörsaal um sich und traf mehrere Menschen. Eine junge Frau erlag ihren Verletzungen. Der Täter soll selbst Student gewesen sein.
Polizeieinsatz in Heidelberg

Polizeieinsatz in Heidelberg

Foto: R.Priebe / dpa

Bei der Attacke in einem Hörsaal der Universität Heidelberg hat der Täter eine junge Frau erschossen und drei weitere Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Frau habe einen Kopfschuss erlitten und sei ihren schweren Schussverletzungen wenige Stunden nach der Tat erlegen, berichten die Nachrichtenagenturen dpa und AFP übereinstimmend unter Verweis auf Sicherheitskreise. Dem SPIEGEL wurde der Tod eines Opfers aus Polizeikreisen bestätigt.

Ein Einzeltäter habe am Montagmittag mit einem Gewehr in einem Hörsaal bei laufender Vorlesung um sich geschossen, teilte die Polizei mit . Anschließend sei er in den Außenbereich geflüchtet. Der Täter sei tot. Dpa und AFP zufolge beging er Suizid.

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Zur Identität der Opfer und des Täters machte die Polizei bisher keine offiziellen Angaben. Nach SPIEGEL-Informationen gehen die Ermittler davon aus, dass es sich bei dem Täter offenbar um einen 18 Jahre alten Studenten handelt. Er soll dem Studiengang im Hörsaal angehört haben. Er soll nicht polizeibekannt gewesen sein und war laut Ermittlern bisher nicht extremistisch oder strafrechtlich in Erscheinung getreten. Der Student soll eine Abschiedsbotschaft hinterlassen haben.

Polizei geht von Einzeltäter aus

Schon kurz nach der Tat am Mittag hatte die Polizei erklärt: »Wir gehen nicht von weiteren Tätern aus.« Zur Sicherheit werde das Gelände aber weiter abgesucht. Gegen 15.15 Uhr bestätigte die Polizei, der Mann sei ein Einzeltäter gewesen. »Derzeit ist keine Gefahrenlage mehr gegeben.«

Das Neuenheimer Feld war am Nachmittag weiträumig abgesperrt. Die Polizei forderte Autofahrer auf, das Gelände zu umfahren, damit Rettungskräfte freie Fahrt haben. Die Polizei richtete eine Hotline für Angehörige ein.

Studierende zeigten sich fassungslos. »Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht«, sagte Peter Abelmann, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft.

Ministerin auf dem Weg zum Tatort

Die Nachricht habe sich unter den Studierenden wie ein Lauffeuer verbreitet, sagte Abelmann. Einige hätten über Messenger-Dienste direkt über die Tat berichtet. Die Studierendenschaft sei in Gedanken bei den Betroffenen.

»Es zerreißt mir das Herz, solch eine Nachricht zu erfahren«, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Pressekonferenz nach dem Treffen von Bund und Ländern zur Coronapandemie. Er sprach den Opfern und deren Angehörigen sein Beileid aus.

»Die Nachrichten aus Heidelberg machen mich zutiefst betroffen. Meine Gedanken sind bei den Familien und ihren Angehörigen. Wir sind an Ihrer Seite«, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Er hoffe inständig, dass die Verletzten wieder gesund würden. Der Grünen-Politiker dankte Einsatz- und Rettungskräften für ihre Arbeit. »Unsere Polizei ermittelt unter Hochdruck und tut alles dafür, um die Hintergründe der Tat schnell aufzuklären.«

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) war am Nachmittag auf dem Weg zum Tatort. Sie habe sich zunächst mit Uni-Rektor Bernhard Eitel getroffen und wolle sich nun selbst ein Bild machen, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit.

»Erschütternd«

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und stellvertretende CDU-Chefin Karin Prien zeigte sich tief betroffen. »Es ist erschütternd, dass der friedliche Ort des gemeinsamen Lernens zum Ort eines bewaffneten Anschlags wurde«, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin. »Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer, den Studierenden und Lehrenden und Universitäts-Angehörigen der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.«

»Die Wissenschaft weltweit, wir alle hier in Baden-Württemberg und darüber hinaus sind in Gedanken bei den Opfern und denen, die das Geschehene heute miterleben, verarbeiten und bewältigen mussten und müssen«, sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU): »Das ist für alle eine entsetzlich belastende Situation.« Für die Verletzten und Beteiligten hoffe er auf eine baldige Genesung »an Leib und Seele«.

ptz/jjc/dpa/AFP