Heidelberg Ermittler suchen nach Motiv für Todesfahrt

Warum steuerte ein Autofahrer in eine Menschenmenge in Heidelberg? Die Hintergründe für die Tat sind weiter unklar. Fest steht: Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Mietwagen mit Hamburger Kennzeichen.


Die Polizei sucht nach der tödlichen Autofahrt in eine Menschengruppe in Heidelberg nach dem Motiv des Tatverdächtigen. Der Mann soll am Samstagnachmittag zwei Fußgänger verletzt und einen 73-jährigen getötet haben. Nach der Tat flüchtete er zu Fuß und mit einem Messer bewaffnet, Polizisten streckten ihn mit einem Bauchschuss nieder.

Warum der Mann in die Menschengruppe fuhr, ist noch immer unklar. "Die Ermittlungen laufen", sagte ein Mannheimer Polizeisprecher. "Die Kollegen sind dabei, alle Details zusammenzutragen." Der mutmaßliche Fahrer des schwarzen Wagens - ein 35 Jahre alter Deutscher - sei nach seiner Schussverletzung noch nicht vernehmungsfähig, befinde sich aber nicht in Lebensgefahr. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es nach wie vor nicht.

Das Auto war am Bismarckplatz, einem Hauptverkehrsplatz der Stadt am Eingang zur Fußgängerzone, von der Straße in einen Fußgängerbereich gefahren. Die Opfer seien direkt vor einer Bäckerei angefahren worden, sagte der Polizeisprecher. Bei dem Fahrzeug handelt es sich den Ermittlern zufolge um Mietwagen mit Hamburger Kennzeichen. Laut der Nachrichtenagentur dpa kommt der mutmaßliche Täter aus dem Raum Heidelberg und soll nicht polizeibekannt sein.

Die beiden verletzten Spaziergänger erlitten Prellungen und konnten nach ambulanter Behandlung das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Das teilte ein Sprecher des österreichischen Außenministeriums mit. Bei dem Mann und der Frau handele es sich um Österreicher, die schon seit vielen Jahren in Heidelberg lebten.

Nach den Schüssen auf den mutmaßlichen Todesfahrer wird auch gegen den Polizeischützen ermittelt. Nach einem Schusswaffengebrauch durch die Polizei finden solche Ermittlungen grundsätzlich statt. Polizisten dürfen ihre Waffen nur in Extremsituationen einsetzen.

Polizei prüft beleidigende Tweets

Die Polizei in Mannheim prüft, ob sie gegen beleidigende und anstößige Beiträge vorgehen kann, die nach der Todesfahrt auf Twitter verbreitet wurden. "Wir werden uns einzelne Meldungen anschauen und nach ihrem strafbaren Inhalt bewerten", sagte der Polizeisprecher.

Die Pressestelle der Mannheimer Polizei hatte nach dem Vorfall vom Samstagnachmittag stundenlang mit Anfragen und auch ausfallenden Tweets aus dem In- und Ausland zu tun. Einige davon hat sie ungewöhnlich harsch von ihrem offiziellen Account aus beantwortet und so manchen Twitternutzer zurechtgewiesen.

Von einigen Nutzern wurden die Beamten beleidigt, andere machten Muslime für die Todesfahrt verantwortlich. "Uns wurde vorgeworfen, wir würden lügen", sagte der Sprecher.

Die Polizei twitterte: "Und nun noch mal für alle. Tatverdächtiger: Deutscher OHNE Migrationshintergrund!" Trotzdem zweifelten einige Nutzer auch danach noch den Wahrheitsgehalt der Informationen durch die Polizei an. Von anderen gab es aber auch reichlich Lob für die Arbeit der Beamten vor Ort und des Social-Media-Teams.

wit/dpa/AFP

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